Die Spitzen der großen Koalition haben sich nicht auf ein größeres Maßnahmenpaket zur Asylpolitik geeinigt und insbesondere beim Thema Transitzonen keinen Konsens gefunden. Trotz einer "Vielzahl von inhaltlichen Gemeinsamkeiten" sollten die Gespräche dazu am Donnerstag vor der Ministerpräsidentenkonferenz fortgesetzt werden, teilte das Bundespresseamt in Berlin mit. 

Es gebe "einige noch zu klärende beziehungsweise offene Punkte", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dazu gehöre auch das Thema der von der Union gewünschten Transitzonen zur Registrierung von Asylbewerbern in Grenznähe. Zwischen CDU/CSU und SPD ist umstritten, ob diese Bereiche bewacht oder eingezäunt werden müssen. Die SPD lehnt solche "Haftzonen" mit der Begründung ab, sie seien nicht praktikabel. Die Sozialdemokraten plädieren stattdessen für sogenannte Einreisezentren in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) warf CSU-Chef Horst Seehofer "Krawallmacherei" vor. Transitzonen erforderten "gigantische Einrichtungen für Zehntausende Menschen", sie seien nicht umsetzbar und für den Rechtsstaat problematisch, sagte Dreyer. Einreisezentren seien zwar "ein sehr ambitioniertes Vorhaben, aber erheblich sinnvoller".

Angesichts rasant steigender Flüchtlingszahlen hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel am Morgen rund zwei Stunden über die Asylpolitik beraten.

Aus dem Dreiergipfel war am Vormittag eine Unionsrunde geworden: SPD-Chef Gabriel verließ wie geplant nach zwei Stunden das Treffen der drei Parteivorsitzenden, zu Merkel und Seehofer stießen Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt. Vor allem zwischen Merkel und Seehofer gibt es massive Differenzen.

In der Koalitionsrunde ging es um eine bessere Steuerung des Andrangs und die Verteilung der Asylbewerber mit Bleibechancen. Es werden dieses Jahr nach offizieller Prognose mindestens 800.000 Asylbewerber in Deutschland erwartet, Gabriel spricht von mehr als einer Million. Nach wochenlangem Streit und scharfen Tönen aus der CSU hatte die Koalition auch ein Zeichen der Einigkeit in der Flüchtlingskrise setzen wollen.

Seehofer hatte Merkel vor einigen Tagen ein Ultimatum gestellt und bis zu diesem Sonntag weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Asylbewerberzahlen gefordert. Er hält Merkels Kurs in der Asylpolitik für falsch und verlangt rasch wirkende Maßnahmen zur Eindämmung des Flüchtlingsandrangs an der Grenze.

Die Bundesregierung dementierte zudem einen Medienbericht, laut dem Merkel die Prognose von 800.000 Flüchtlingen 2015 angeblich angehoben hatte. Eine Regierungssprecherin sagte in Berlin, an der offiziellen Prognose habe sich nichts geändert. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte unter Berufung auf Teilnehmerkreise berichtet, die Bundeskanzlerin habe bei dem vor einer Woche in Brüssel abgehaltenen Sondertreffen zur Flüchtlingskrise gesagt, Deutschland müsse im Laufe dieses Jahres mit einer Million Flüchtlingen rechnen.