Helmut Schmidt ist in vielen internationalen Medien in Nachrufen gewürdigt worden: Für die New York Times war Schmidt ein "unwiderstehlicher Redner und kampflustiger Debattierer". Er sei gutaussehend und geistreich gewesen und habe über eine außerordentliche Selbstbeherrschtheit verfügt. In Deutschland sei er über Jahrzehnte einer der beliebtesten Politiker gewesen, schreibt die Zeitung. Seine Geringschätzung für den amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, ein außenpolitischen Anfänger, und seine Skepsis gegenüber dessen "kriegslustigen" Nachfolger Ronald Reagan habe Schmidt kaum verborgen. 

Der Standard aus Österreich hebt Schmidts Rolle als Kommentator und Ratgeber hervor. "Zum Schluss wagte auch keiner mehr zu widersprechen, denn es war ja keiner mehr da, der so viel miterlebt hatte wie der nun 96-jährig Verstorbene." Die Zeitung erinnert auch daran, dass Schmidt als Kanzler deutlich weniger beliebt war: "Umstritten war nicht nur sein atomenergiefreundlicher Kurs, sondern auch sein Bemühen um den Nato-Doppelbeschluss."

Schmidt sollte nicht nur als deutscher Kanzler betrachtet werden, schreibt die Historikerin Kristina Spohr in ihrem Nachruf im britischen Guardian. Er habe auf der globalen Bühne gewirkt, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Sicherheitspolitik. Schmidt verhalf aus Spohrs Sicht Westdeutschland zum Aufstieg in der Weltgemeinschaft. "Helmut Schmidt verdient es, als Deutschlands 'globaler Bundeskanzler' erinnert zu werden."

Grundlagen für den Euro

Die Neue Zürcher Zeitung lobt Schmidt für seine "Weitsicht und die Fähigkeit zu fundierter Analyse". Beides hat er nach Meinung der Zeitung auch unter Beweis gestellt, als er zusammen mit Frankreichs damaligen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing die Grundlagen für den Euro legte. Gewarnt habe er "von Anfang an vor dem Aberglauben, eine Währungsunion könne dauerhaft ohne politische Union existieren". Es sei tragisch, dass der Ökonom Schmidt als Kanzler am Ende in seinem eigenen Metier scheiterte, heißt es in dem Nachruf weiter. "Die Einsicht war vorhanden, wie er mit seiner Kritik am fehlenden ökonomischen Sachverstand Brandts zeigte. Doch als er selbst Kanzler war, gab er dem Drängen der eigenen Partei nach sozialen Wohltaten nach." Warnsignale seines Koalitionspartners FDP habe er übersehen, bevor ein konstruktives Misstrauensvotum seine dritte Amtsperiode vorzeitig beendete.

Mit den Worten "pragmatisch, forsch und oftmals kontrovers" charakterisiert die britische BBC den Altkanzler. Er habe als wirtschaftspolitischer Stratege Westdeutschland durch turbulente Zeiten geführt. Der Umgang mit dem Terror der Roten Armee Fraktion sei eine der größten Herausforderungen seiner Amtszeit gewesen. Für den ebenfalls in Großbritannien erscheinenden Economist war Schmidt geprägt von Ungeduld mit seiner eigenen Partei, den Linken und dem Nachkriegsamerika, das aus seiner Sicht den Führungswillen verloren hatte. In Debatten hatten es Schmidts Gegner laut dem Magazin schwer, gegen seine Argumente anzukommen. "Die Fakten waren klar und die Logik makellos."