Deutsche Sicherheitsbehörden gehen laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung davon aus, dass die Gruppe, die einen Anschlag auf das Länderspiel Deutschland-Niederlande geplant haben soll, besteht und immer noch zuschlagen könnte. Dem Blatt zufolge hatte der französische Geheimdienst Informationen über minutiöse Angriffspläne weitergegeben. Demnach habe eine Terroristengruppe geplant, vergangenen Dienstag in Hannover fünf Bomben zu zünden – drei davon im Stadion. Das Spiel wurde kurz vor dem Anpfiff aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Der Zeitung zufolge erhielten die deutschen Ermittler aus Frankreich auch Namen der mutmaßlichen Mitglieder der Terrorgruppe. Laut dem Bericht waren die Genannten den Sicherheitsbehörden zuvor nicht bekannt gewesen. Nach ihnen werde jetzt gefahndet. Generell gingen die Behörden von einer weiterhin hohen Anschlagsgefahr aus. Mit Blick auf die Angriffe in Paris sagte ein ranghoher Sicherheitsbeamter der Zeitung, die Gefahr sei groß, "dass wir auch hier einen ähnlichen Anschlag erleben könnten".

Das ZDF dagegen berichtet, es gebe in Sicherheitskreisen bisher keine Hinweise, die die Existenz einer Terrorzelle bestätigten. Es gebe derzeit "keine Informationslage, die zur Überzeugung von der Existenz der Zelle berechtigt", so die Auskunft am Sonntag gegenüber dem ZDF. Dennoch müsse allen Hinweisen nachgegangen werden. Der Sender verwies darauf, dass Nachrichtendienste fast wöchentlich Hinweise auf Terrorzellen erhielten, die sich oft als falsch herausstellten. 

Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Terrorwarnung in Brüssel keine Auswirkungen für die Bedrohungslage. Das Auswärtige Amt empfahl Reisenden nach Belgien unter anderem, Menschenansammlungen etwa bei Konzerten, auf Bahnhöfen oder Flughäfen zu meiden und Weisungen der Sicherheitskräfte zu befolgen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte in der Welt am Sonntag ein härteres Vorgehen gegen Personen, die von den Behörden als islamistische Gefährder geführt werden. "Islamistische Gefährder müssen wegen des erhöhten Anschlagsrisikos in Deutschland einen stärkeren Druck spüren", sagte er der Zeitung. Seiner Meinung nach lasse sich ein Großteil der Gefährder durch Sozialarbeit oder bessere Präventionsprogramme nicht mehr erreichen. "Der harte Kern verachtet unsere Demokratie und die westliche Kultur. Bei ihnen muss der Staat Härte zeigen", sagte Herrmann. Zu den Maßnahmen solle "der Entzug der Staatsbürgerschaft bei Islamisten gehören, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen".

Französischer Minister kritisiert Diskriminierung von Muslimen

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gab der Gesellschaft eine Mitverantwortung für den radikalen Islamismus. "Wir haben eine Mitverantwortung, weil sich dieser Totalitarismus aus dem Misstrauen nährt, das wir sich in der Gesellschaft haben ausbreiten lassen", sagte der sozialistische Politiker. Er kritisierte die Diskriminierung, der viele arabischstämmige Einwanderer ausgesetzt sind. Der Minister verwies darauf, dass Menschen mit einem muslimisch klingenden Namen vier Mal schlechtere Chancen hätten, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. "Ich will nicht sagen, dass all diese Elemente der erste Grund des Dschihadismus sind", sagte Macron. "Doch es gibt einen Nährboden und dieser Nährboden ist unsere Verantwortung."