Entwürdigend und völlig unpassend: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles (CDU) Vergleich von ankommenden Flüchtlingen mit einer Lawine hat scharfe Kritik beim Koalitionspartner SPD ausgelöst. Parteichef Sigmar Gabriel sagte: "Ich kann mir das Bild nicht zu eigen machen. Ich würde einen solchen Vergleich nicht wählen", sagte Gabriel. Fraktionschef Thomas Oppermann forderte von der Union, zur Sacharbeit zurückzukehren: "Es ist jetzt mal genug."

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Menschen in Not sind keine Naturkatastrophe." Die Flüchtlingsdebatte solle besonnen geführt werden, statt dass man mit Worten noch Öl ins Feuer gieße. 

Schäuble hatte den Lawinen-Vergleich auf einer Veranstaltung in Berlin gezogen. Er wisse nicht, ob diese Lawine bereits unten im Tal angekommen sei oder sich noch am oberen Ende des Hanges befinde, sagte er Berichten zufolge.

"Solidarität und christliche Nächstenliebe stärkt man jedenfalls nicht mit dramatischem Katastrophen-Vokabular" kritisierte Maas seinen Kabinettskollegen bei Spiegel Online. "Stattdessen müssen wir uns weiter an die Arbeit machen und das tun, was die Menschen zu Recht von uns erwarten."

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte: "Der Vergleich ist völlig unpassend und den Flüchtlingen gegenüber entwürdigend." Es handele sich um Menschen, die vor Hunger und Krieg flüchteten. "Sie haben es nicht verdient, mit einer Naturkatastrophe gleichgesetzt zu werden." Auslöser für deren Flucht sei Syriens Präsident Baschar al-Assad als "tyrannischer Machthaber", sagte sie. "Das sollte Herr Schäuble im Rahmen seiner wohlfeilen Analyse nicht aus den Augen verlieren."

Der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger, nannte die Äußerung Schäubles "so falsch wie fatal". "Um bei der Metaphorik zu bleiben wären die Millionen Flüchtenden der Bumerang für eine rücksichtslose Politik, die Kriege befeuert, Ressourcen vernichtet und Lebensgrundlagen zerstört", sagte Riexinger.

"Mit solchen Äußerungen werden Schutzbedürftige zu einer Bedrohung hochstilisiert", sagte der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt. Schäubles Vergleich sei Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten.