Eine Demonstration von AfD-Anhängern am 17. Oktober im bayerischen Freilassing © Michaela Rehle/Reuters

Seit ihrer Gründung ringt die Alternative für Deutschland (AfD) um die Frage, wie weit sie sich in rechtsradikale Kreise vorwagen soll. Was in der Partei sagbar sein soll und was nicht. Mit dem Austritt Bernd Luckes und seiner Alfa-Getreuen hat die AfD sich bereits nach rechts verschoben, nun geht es in der Auseinandersetzung zwischen dem Lager um Parteichefin Frauke Petry und den Anhängern des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke darum, ob die Partei den nächsten Schritt macht.

Wie viel Maßregelung braucht Höcke, der zuletzt über das Reproduktionsverhalten der Afrikaner als "Ausbreitungstyp" schwadronierte, und wie viel Höcke braucht andersherum die AfD?

Ein Monat ist es her, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Ergebnisse des Meinungsforschungsinstituts Forsa zur AfD-Wählerschaft veröffentlichte, und im aktuellen Streit lohnt es sich, noch einmal auf dieser Zahlen zurückzublicken. Welche Wähler will die AfD erreichen – und welche AfD wiederum wollen die Wähler? Laut Forsa-Studie sind die AfD-Wähler "ostdeutsch, männlich, pessimistisch". Und zwar alles drei in weit größerem Ausmaß als noch im Mai 2014. 72 Prozent Männer, 28 Prozent Ostdeutsche (Anteil an der Gesamtbevölkerung: 15 Prozent), 78 Prozent mit pessimistischen Wirtschaftserwartungen. 38 Prozent bezeichnen sich selbst als "politisch rechts", 45 Prozent als Vertreter der Mitte. Im Mai 2014 ordneten sich noch 55 Prozent der Mitte zu und 28 dem rechten Spektrum.

Um diese Verschiebung nach rechts wird es auch jetzt gehen. Wird die AfD dieser Dynamik folgen oder wird sie sie stoppen? Bei genauerer Betrachtung zerfällt diese Frage in zwei Teile. Was will die Parteiführung? Und was kann sie?

Die Parteivorsitzenden Petry und Jörg Meuthen scheinen zu dem Schluss gekommen zu sein, dass sie es nicht Höcke überlassen dürfen, das Außenbild der AfD mit seinen Radikalismen zu bestimmen. Sie wollten ihn durch einen Vorstandsbeschluss rügen, Petry sprach sogar vom möglichen Parteiaustritt Höckes. Das Problem war nur – und hier beginnt die Frage danach, was die Parteispitze kann –, dass Petry im Vorstand keine Mehrheit dafür fand.

Eine Geschichte der Enttabuisierung

Die Geschichte der AfD ist eine der Enttabuisierung. Die Gemäßigten in der Partei haben immer wieder versucht, Stoppschilder Richtung rechts aufzustellen. Jedes einzelne wurde plattgewalzt. Die Beispiele sind unzählig: Bernd Luckes Versuch, ehemaligen Mitgliedern der Partei Die Freiheit den Zugang zur AfD zu verweigern: erfolglos. Die Abgrenzung zu den etablierten Rechtsparteien Front National in Frankreich und Ukip in Großbritannien: Aufgeweicht, weil AfD-Funktionäre den vermeintlichen internationalen Mitstreitern für den Nationalismus allzu gerne gratulierten (Höcke nach der Regionalwahl in Frankreich) oder sie gleich zu sich einluden (die Junge Alternative vor der Wahl in Großbritannien).