Wegen der Vielzahl unbearbeiteter Asylanträge ist die Kritik am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) groß. Der Behörde wird vorgeworfen, zu langsam zu arbeiten. Vor allem Politiker der Bundesländer fordern mehr Schichtarbeit sowie den Einsatz am Wochenende. Auch der zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wird für die schleppende Bearbeitung verantwortlich gemacht. Ein Überblick über die Lage beim Bamf.

Wie viele Flüchtlinge sind in diesem Jahr nach Deutschland gekommen?

Von Anfang Januar bis Ende November sind nach den neuesten Zahlen des Bundesinnenministeriums 964.574 Flüchtlinge in Deutschland registriert worden. Demnach kamen allein im vergangenen Monat 206.101 Flüchtlinge, so viele wie in keinem anderen Monat des Jahres. Bis Jahresende dürfte also die Marke von einer Million überschritten werden. Im vergangenen Jahr waren 238.676 Flüchtlinge nach Deutschland eingereist.

Haben die bisher registrierten knapp 965.000 Flüchtlinge alle einen Asylantrag in Deutschland gestellt?

Nein. Manche Flüchtlinge müssen sehr lange darauf warten, ihren Antrag überhaupt stellen zu können. In "einzelnen Außenstellen" betrage die Wartezeit auf einen Termin "mehrere Monate", heißt es in einem Schreiben des Bundesinnenministeriums an den CSU-Abgeordneten Reinhard Brandl. "Im Einzelfall wurden Antragstermine erst für den Sommer 2016 vergeben." Hinzu kommt, dass sich möglicherweise gar nicht 965.000 zusätzliche Flüchtlinge in Deutschland aufhalten. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) zufolge ist nicht ausgeschlossen, dass manche Flüchtlinge doppelt gezählt wurden oder bereits in andere europäische Länder weitergereist sind.

Wie viele Asylanträge sind in diesem Jahr gestellt und vom Bamf bearbeitet worden?

Gestellt wurden bislang 425.035 Asylanträge, davon waren 392.028 Erstanträge. Mit mehr als 136.000 Anträgen kommen die meisten Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Entschieden hat das Bamf seit Jahresbeginn über rund 240.000 Anträge, die einem Rückstau von bislang knapp 356.000 unbearbeiteten Anträgen gegenüberstehen, die zum Teil noch aus den Vorjahren stammen. Im vergangenen Jahr sind 202.834 Asylanträge gestellt worden.

Wie lange braucht das Bamf für die Bearbeitung eines Asylantrags?

Das Ziel sind drei Monate pro Antrag. Derzeit liegt der Schnitt bei 5,2 Monaten, nachdem die durchschnittliche Bearbeitungszeit im vergangenen Jahr noch 7,1 Monate betragen hatte. Die Verkürzung wurde besonders dadurch erreicht, dass das Bamf vorrangig Fälle bearbeitete, bei denen entweder eine eindeutige Annahme – wie etwa bei Syrern – oder eine eindeutige Ablehnung – wie von Bewerbern vom Westbalkan – zu erwarten war. Aber für Bewerber aus Pakistan beispielsweise zieht sich die Bearbeitungszeit durchschnittlich über fast 15 Monaten hin.

Ist eine Beschleunigung zu erwarten?

Jein. De Maizière will Asylanträge von Flüchtlingen aus Syrien wieder einzeln prüfen lassen. Das dürfte nach Einschätzung der Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl die Dauer der Verfahren um "mehrere Monate" verlängern. Andererseits plant die Bundesregierung etwa, die Datenbanken verschiedener Behörden zur Registrierung von Flüchtlingen besser zu vernetzen. Außerdem soll das Bamf-Personal deutlich aufgestockt werden. De Maizière zufolge wird derzeit auch darüber beraten, die Schichtarbeit im Bamf auszuweiten.

Wie viele Mitarbeiter hat das Bamf derzeit?

Behördenchef Frank-Jürgen Weise verfügt über 3.100 Stellen, davon sind 562 sogenannte Entscheider für Asylverfahren. Weitere 4.000 neue Stellen sollen 2016 besetzt werden. "Damit wird sich die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt haben", sagt eine Bamf-Sprecherin.

Arbeiten BAMF-Mitarbeiter nur von 9.00 bis 17.00 Uhr?

In den bayerischen Flüchtlingsbrennpunkten in Rosenheim, Erding und Feldkirchen wird bereits rund um die Uhr im Schichtbetrieb gearbeitet. Außerdem werde zwischen 6.00 und 20.00 Uhr "der Dienstbetrieb wo immer notwendig mittels flexibler Arbeitszeitgestaltung aufrechterhalten", teilte eine Sprecherin mit.

Wie viele Überstunden haben die BAMF-Mitarbeiter bereits angehäuft?

Eine Statistik dazu führt die Behörde selbst bislang nicht. Der Personalrat geht aber davon aus, dass es bereits mehr als 120.000 sogenannte freiwillige Mehrarbeitsstunden sind.