Die Oppositionsparteien kritisieren den Vorschlag der CSU, Flüchtlinge ohne Ausweisdokumente nicht einreisen zu lassen. Sahra Wagenknecht, die Fraktionsvorsitzende der Linken, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Statt sich immer wieder von neuem auf dem Rücken der Flüchtlinge zu profilieren, sollte die CSU lieber mal das S in ihrem Namen ernst nehmen und sich für die Wiederherstellung des Sozialstaats stark machen. Das aber hieße auch: Steuerflüchtlinge statt Kriegsflüchtlinge bekämpfen."

Deutschland müsse wissen, wer sich im Land aufhalte, sagte Wagenknecht weiter. "Aber die Oberlehrer von der CSU sollten vielleicht auch mal bedenken, dass es nicht auf der ganzen Welt wie in Bayern aussieht." Es gehe um Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und auf lebensgefährlichen Routen nach Deutschland kommen.

Auch die Grünen kritisierten den CSU-Vorschlag. Wer Flüchtlinge ohne Papiere zurückweise, stelle diese Menschen "unter den Pauschalverdacht der Herkunftsverschleierung", sagte die asylpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag, Christine Kamm. Es dürfe nicht vergessen werden, dass viele Flüchtlinge "ihre Ausweise in den Wirren des Krieges oder auf dem schwierigen Fluchtweg verloren haben".

Zuvor hatte bereits SPD-Vize Ralf Stegner ein Einreiseverbot abgelehnt und gesagt: "Wir haben Freizügigkeit in Europa und halten daran auch fest. Die Union macht mit ihren ständigen Querschüssen in der Flüchtlingspolitik die Ressentiments der AfD hoffähig." Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte: "Im Aufenthaltsgesetz ist ausdrücklich geregelt, dass Schutzsuchende natürlich auch ohne Papiere bei uns um Asyl bitten können." Schutzsuchende ohne gültige Ausweispapiere zurückzuweisen und somit in die deutschen EU-Nachbarländer zu verschieben, "wäre die endgültige Kapitulation der EU in Sachen gemeinsamer Asylpolitik".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte dazu, "hinsichtlich der CSU Forderungen nach einer Zurückweisung von Flüchtlingen ohne gültige Ausweisdokumente sind zurzeit keine weiteren Änderungen geplant". De Maizière verwies darauf, dass sich die Lage an den Grenzen "aktuell verbessert" habe. "Die Zahl der Flüchtlinge ist leicht rückläufig", erklärte er. Zudem habe sich die Wiedereinführung der Grenzkontrollen am 13. September "als richtig erwiesen, auch um geordnete Verfahren wiederherzustellen". De Maizière verwies des Weiteren darauf, dass Ende Januar das Gesetz zur besseren Registrierung von Flüchtlingen in Kraft treten soll. Dies werde die Lage an den Grenzen "weiter verbessern".

In einer Beschlussvorlage für die Klausursitzung der CSU-Landesgruppe Anfang Januar in Wildbad Kreuth forderte die CSU, Flüchtlinge nur dann einreisen zu lassen, "wenn auch gültige Ausweisdokumente vorgezeigt werden können".