Nachdem am späten Abend die Münchner Polizei die Terrorwarnung für München veröffentlicht hat, sehen die Behörden die Lage momentan entspannter an. Bei einer Pressekonferenz in München sagte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä, die Polizei sei mit rund 550 Einsatzkräften im Einsatz. Trotz intensivster Ermittlungen seien die Informationen über einen Selbstmordanschlag bisher aber nicht konkretisiert worden. Die Hinweise  galten demnach für den Hauptbahnhof und den Bahnhof Pasing. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, "die Bedrohung hat sich ganz konkret auf Mitternacht bezogen und auf diese beiden Orte".

Laut Herrmann soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für die möglichen Anschlägspläne verantwortlich sein. Das Bundeskriminalamt habe die Bundespolizei am Silvesterabend über entsprechende Hinweise von einem befreundetem Nachrichtendienst informiert, sagte Herrmann bei einer Pressekonferenz in München. Laut Andrä sollte Selbstmordanschlag verübt werden.

Die Polizei stehe in Kontakt mit allen Sicherheitsbehörden in Bund und im Land, sagte Andrä. Mit ihnen solle nun entschieden werden, wann der Zugverkehr freigegeben werden kann. Wegen der Drohung, die sich konkret auf den Hauptbahnhof und den Bahnhof im Stadtteil Pasing bezogen hatten, waren diese am Silvesterabend geräumt worden.

Hinweise kamen offenbar von ausländischen Behörden

Nach Informationen der ZEIT beruht die Warnung auch auf Informationen, die aus den USA kamen. Die französischen Behörden seien demnach der Ansicht gewesen, dass diese Warnungen zu Informationen passten, von denen sie selbst gehört hätten. Wie konkret die einzelnen Hinweise waren, ist noch unklar. Die Süddeutsche Zeitung berichtet mit Verweis auf Ermittlerkreise, dass eine Gruppe von sechs möglichen Tätern im Fokus der Ermittlungen stehe. Der Bayrische Rundfunk hatte zuvor berichtet, es gebe Hinweise, dass mehrere Terrorgruppen in München zeitgleich Anschläge planten.

In den vergangenen Wochen habe es mehrmals Terrorwarnungen in Bezug auf Bahnhöfe im Raum München gegeben, berichtet das ZDF. Demnachn seien in Zusammenarbeit von Bundes- und Landesbehörden jene Hinweise, in denen von möglichen Attacken mit Waffen und Sprengstoff die Rede war, als "unglaubwürdig" eingestuft worden. Am Silvesterabend sei dann eine weitere Warnung mit ähnlichen Inhalten hinzugekommen. Da die Behörden diese nicht schnell überprüfen konnte, sei entschieden worden, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen, hieß es.

Großaufgebot der Polizei vor Ort

Die Polizei sperrte sowohl den Münchner Hauptbahnhof als auch den Bahnhof Pasing und riet den Menschen "eindringlich", größere Ansammlungen meiden. Vor allem sollten die Münchner nicht zum Hauptbahnhof und zum Bahnhof Pasing gehen. Über Twitter will die Polizei die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten.

Nachdem der Hauptbahnhof evakuiert worden war, begann die Polizei das umliegende Gelände freizuräumen. Polizisten baten die Menschen, die sich zunächst noch in der Nähe des Gebäudes aufgehalten hatten, die Gegend zu verlassen. Der Hauptbahnhof selbst war abgeriegelt, Einsatzkräfte mit schweren Waffen sicherten die Eingänge. Auf Fragen von Touristen, wann am Hauptbahnhof wieder Züge fahren werden, gaben die Beamten keine konkreten Auskünfte.

Zudem sei Verstärkung aus Südbayern angefordert worden. Zusätzliche Kräfte seien zur Unterstützung nach München geholt worden, teilte die Münchner Poliez in der Silvesternacht über Twitter mit. Darunter seien auch Spezialeinheiten. Welche Bedrohung genau vorliegt, ist unklar. Es sei "vom Szenario her alles möglich", sagte ein Polizeisprecher der Süddeutschen Zeitung. Wir nehmen es sehr ernst, es läuft ein Großeinsatz hier in München".

Münchner feiern trotz Warnung das neue Jahr

Bei Facebook erklärte die Polizei: "Aufgrund ernst zu nehmender aktueller Hinweise geht die Münchner Polizei von der Gefahr eines Terroranschlages im Bereich München aus. Nach vorliegenden und von uns als ernst bewerteten Informationen soll es diese Nacht zu einem Anschlag kommen." 

Trotz der Terrorwarnung fahren die S- und U-Bahnen in der Silvesternacht vorerst weitgehend nach Plan. Nur im evakuierten Hauptbahnhof sowie in dem ebenfalls gesperrten Bahnhof im Stadtteil Pasing hielten die Bahnen nicht an, sagte ein Polizeisprecher. Zum Jahreswechsel war die Lage angespannt, aber ruhig. An vielen Orten in der Stadt begrüßten die Menschen das neue Jahr mit Feuerwerk.

Keine erhöhte Gefahr in Berlin

In diesem Jahr herrschten vielen Großstädten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. In Brüssel war das Silvesterfeuerwerk wegen Terrordrohungen abgesagt worden. Noch am Donnerstag hatte die Münchner Polizei erklärt, in der Silvesternacht werde es im Vergleich zu den Vorjahren keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geben. Allerdings seien auch in diesem Jahr deutlich mehr Beamte als an anderen Tagen in Bereitschaft.

Die Sicherheitsbehörden in Berlin haben weiterhin keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne in der Bundeshauptstadt. "Die Sicherheitseinschätzung ist unverändert", sagte ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung am Abend. In Berlin hatten sich mehrere hunderttausend Menschen versammelt, um am Brandenburger Tor das neue Jahr zu begrüßen.