Migranten aus Marokko nach der Ankunft auf der griechischen Insel Lesbos © Socrates Baltagiannis/dpa

Die Zahl der Asylbewerber aus Algerien und Marokko steigt stark an. Allein im Dezember kamen fast 2.300 Algerier und 3.000 Marokkaner nach Deutschland, berichtet die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Noch im August waren insgesamt weniger als 1.500 Algerier und Marokkaner hierhergekommen. Im ganzen Jahr 2014 hätten weniger als 4.000 Menschen aus beiden Ländern in Deutschland Asyl beantragt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte den Anstieg der Zuwanderung aus Algerien und Marokko bei der Vorstellung des Migrationsberichts für das Jahr 2014 als besonderes Problem bezeichnet. Später stellte sich heraus, dass viele Algerier und Marokkaner unter den Beschuldigten für die Kölner Übergriffe sind.

Der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks, Stefan Telöken, sagte der Frankfurter Rundschau zur aktuellen Entwicklung: "Traditionell sind Bewohner der Maghreb-Staaten eher nach Spanien und Frankreich ausgewandert." Jetzt, da der legale Weg übers Mittelmeer unterbrochen sei, scheine sich die Bewegung nach Mitteleuropa verschoben zu haben, weil die Menschen auf die Balkan-Route ausweichen würden.

Merkel vielfach zum Politikwechsel aufgefordert

Der Europareferent von Pro Asyl, Karl Kopp, sagte der Zeitung: "Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, die Aussichten für junge Menschen sind schlecht." Neben wirtschaftlichen gebe es aber auch politische Gründe für die Flucht aus Algerien und Marokko: "Die Menschenrechte werden massiv eingeschränkt. Die Presse ist nicht frei, Minderheiten werden verfolgt, es gibt willkürliche Inhaftierungen und Misshandlungen."

Dagegen dringt die CSU darauf, Marokko und Algerien als sichere Herkunftsstaaten einzustufen. Insgesamt nimmt der Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ein Änderung ihrer Politik in der Flüchtlingskrise zu. Merkels Kabinettskollege de Maizière (CDU) forderte, deutlich weniger Menschen aufzunehmen. "Wir müssen und wollen den Zustrom von Flüchtlingen spürbar und nachhaltig reduzieren", sagte de Maiziere der Welt. "Der Schutz der europäischen Außengrenzen hat zeitlich und inhaltlich Vorrang vor nationalen Lösungen", betonte de Maiziere bei dem Treffen.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil stellte sich zwar hinter Merkels Entscheidung vom September, die Grenzen zu öffnen. Er bezeichnete sie aber als Zwischenlösung. "Die Bundeskanzlerin wird sich im Laufe des Jahres korrigieren müssen", sagte er. Die Öffnung der Grenzen habe "fatalerweise dauerhaft zu einer Sonderrolle Deutschlands in Europa geführt". Die anderen Länder würden "mit Häme von der 'deutschen Einladung'" sprechen. Dies müsse die Bundesregierung beenden.