In der Flüchtlingskrise verlassen sich auch Bundesländer, die deutlich weniger Flüchtlinge unterbringen müssen als andere, stark auf die Unterstützung der Bundeswehr. Das zeigt eine interne Aufstellung für das Parlament.

Die meisten Soldaten werden in Bayern eingesetzt, wo auch die meisten Flüchtlinge die deutsche Grenze passieren. In der ersten Januarwoche waren es dort knapp 1.100 Soldaten. Baden-Württemberg forderte im gleichen Zeitraum 504 Soldaten, Thüringen 453 Soldaten. Nach der Verteilung der Asylbewerber durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), muss Thüringen allerdings nur fünf Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, die in Deutschland registriert werden. Laut Verteilungsquote müssen die meisten Asylanträge in Nordrhein-Westfalen beantragt werden. Das Bundesland nahm die Bundeswehr zuletzt aber kaum in Anspruch. Nur 85 Soldaten halfen dort.

Die Verteilung der Flüchtlinge richtet sich nach dem Königssteiner Schlüssel. Er regelt die Verteilungsquoten zwischen den Ländern bei gemeinsamen Finanzierungen und richtet sich nach der Bevölkerungsgröße und dem Steueraufkommen.

Auch im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern wurden im Vergleich zum Flüchtlingsaufkommen viele Soldaten angefordert. Im Saarland waren 245 Bundesangehörige im Einsatz, in Mecklenburg-Vorpommern 306. In den beiden Bundesländern sind die wenigsten Flüchtlinge untergebracht.

Insgesamt sind laut Bundeswehr bis zu 9.000 Soldaten täglich in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie helfen dabei, Unterkünfte und Lager zu errichten und unterstützen bei der Registrierung. Mit einem dauerhaften Einsatz können die Länder laut Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen jedoch nicht rechnen.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung forderte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine Diskussion um einen Inlandseinsatz der Bundeswehr. Dieser soll laut Schäuble aber nicht auf Flüchtlingshilfe beschränkt sein, sondern bei Bedarf auch bei polizeilichen Maßnahmen unterstützen. "Wir werden uns mit der Frage beschäftigen müssen, warum praktisch alle anderen Länder in Europa unter klaren rechtlichen Regelungen zur Unterstützung der Polizei auf ihre Streitkräfte zurückgreifen – nur wir nicht", sagte Schäuble.

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln zeigten, dass man zur Wahrung des Gewaltmonopols des Staates auch einen Einsatz der Bundeswehr diskutieren müsse, sagte er.