ZEIT ONLINE: Herr von Stetten, Sie gelten als Kritiker an Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik. Haben Sie denn einen Plan B für die Flüchtlingsfrage?

Christian von Stetten: Moment, ich bin kein Merkel-Kritiker. Ich bin Regierungsabgeordneter und unterstütze die Bundesregierung, aber ich bin auch dafür zuständig, die Regierung in ihrer Arbeit zu kontrollieren. Und nichts anderes mache ich. Wir müssen zu den Regeln zurückkehren.

ZEIT ONLINE: Was genau meinen Sie damit?

Von Stetten:
In Zukunft muss jeder Flüchtling bereits an der Grenze registriert und bestimmte Personengruppen auch direkt abgewiesen werden. Wenn zum Beispiel Algerier oder andere Nordafrikaner in dem sicheren Drittland Österreich ihre Pässe wegwerfen und an die deutsche Grenze kommen, müssen sie an der Grenze abgewiesen werden. Sie haben dann die Möglichkeit sich Ersatzpapiere bei ihrer Botschaft in Wien zu besorgen.

ZEIT ONLINE: Das heißt, niemand soll ohne Papiere einreisen dürfen? Und was sagen Sie jemandem, der nur noch das hat, was er am Leibe trägt, also keine Papiere mehr?

Von Stetten: Österreich ist ein Land, in dem sie vor Verfolgung sicher sind. In der jeweiligen Botschaft in Wien kann ihre Identität am besten festgestellt werden.

ZEIT ONLINE: Und was sagen Sie jemandem, der einen Pass aus einem Nicht-Kriegsgebiet hat, aber vielleicht wirklich politisch verfolgt wird? Das sehen Sie ihm ja nicht an.

Von Stetten: Die Europäischen Gesetze sehen vor, dass politisch Verfolgte in dem Land Asyl beantragen, in dem sie zuerst ankommen. In diesem Fall wäre die Person in das sichere Drittland Österreich eingereist und die österreichischen Behörden wären verpflichtet, das Asylverfahren durchzuführen.

ZEIT ONLINE: Österreich will Obergrenzen für Flüchtlinge einführen. Wie genau das praktisch aussehen soll, ist noch offen. Was heißt das für Deutschland und die Lage an der deutsch-österreichischen Grenze? Wohin gehen die Flüchtlinge, die dann nicht in Österreich bleiben können?

Von Stetten: Das müssen Sie unseren europäischen Nachbarn fragen. Da ist mit Deutschland noch nichts abgestimmt. Der österreichische Alleingang zeigt aber, dass eine gesamteuropäische Lösung kurzfristig nicht umsetzbar ist.

ZEIT ONLINE: Flächendeckende Grenzkontrollen bedeuten, dass man auch die grüne Grenze schließen muss. Die Bundespolizei hat schon kommuniziert, dass sie nur fünf Tage aus eigener Kraft Grenzkontrollen durchführen kann. Was dann?