Bundespräsident Joachim Gauck fordert mehr Solidarität in Europa, um die Flüchtlingskrise zu meistern. Während eines Mittagessens mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos sagte Gauck: "Ohne gesamteuropäische Lösung werden wir die jetzige Situation nicht bewältigen können. Deshalb gilt es, Solidarität zu gewährleisten und gleichzeitig Solidarität anzunehmen."

Die Lasten der Flüchtlingsaufnahme könnten nur gemeinsam getragen werden, sagte Gauck. Die Länder Europas dürften sich nicht die Probleme überlassen, etwa wenn es darum gehe, die Außengrenzen zu sichern. "Wir haben nun die Wahl: Uns von der schieren Größe der Aufgabe lähmen zu lassen oder daran zu wachsen. Für mich ist klar: Es muss darum gehen, an den Herausforderungen zu wachsen."

Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte sich wiederholt für eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise starkgemacht. Diese müsse schnell umgesetzt werden, forderte ihr Koalitionspartner am Wochenende. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann, sagte, wenn die gemeinsame Lösung bei den Partnern scheitert, "fürchte ich, dass der Druck so groß werden wird, dass sich die Reisefreiheit in Europa nicht aufrechterhalten lässt". SPD-Chef Sigmar Gabriel setzte Merkel eine Frist: "Wenn die Maßnahmen im Frühjahr nicht Wirkung zeigen, bewegen wir uns auf Zahlen zu, die schwierig werden."

Eine wichtige Rolle in Merkels Strategie soll auch die Türkei übernehmen. Das Land soll seine Außengrenzen besser sichern und dafür drei Milliarden Euro erhalten. Vor seinem Deutschlandbesuch sagte Griechenlands Präsident, sein Land werde erst seinen Teil der Zahlung übernehmen, wenn die Türkei weniger Flüchtlinge einreisen lässt. Der Türkei warf er vor, ein doppeltes Spiel zu betreiben: "Ich hege die starke Befürchtung, dass die türkischen Menschenschmuggler Unterstützung von den Behörden bekommen. Vor allem die Hafenbehörden tun so, als ob sie nichts mitbekämen." Dafür habe er Beweise, sagte Pavlopoulos der Süddeutschen Zeitung.