Flüchtlinge kommen in einem Hafen in der Nähe von Athen an © Alkis Konstantinidis/Reuters

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sieht die Forderung seiner eigenen Partei nach einer Flüchtlingsobergrenze skeptisch. "Wir können keine Zäune um Deutschland und Europa bauen", sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag. Angesichts weiterer großer Fluchtbewegungen sei "egal, was wir hier festlegen". Die Menschen würden nicht fragen, ob sie kommen dürften. Für die Flucht macht er zudem Europa mitverantwortlich. "Wir haben unseren Wohlstand auf dem Rücken der Entwicklungsländer aufgebaut. Diese Spannungen entladen sich", sagt er.

Die größten Fluchtbewegungen würden zudem noch bevorstehen, da sich Afrikas Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln werde. In der Sahara sollen bis zu einer Million Menschen auf der Flucht gestorben sein. Das zeigt die ganze Dramatik, sagte der Minister. Auch seien noch Millionen Syrer und Iraker auf der Flucht, nur ein Bruchteil sei bisher in Europa.

Auch Müller forderte aber eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen: "Eine Million, wie im vergangenen Jahr, können wir nicht erfolgreich integrieren", sagte der Minister. Nötig sei deshalb eine "vollkommen neue Dimension der internationalen Zusammenarbeit".

CSU-Chef Horst Seehofer fordert eine Obergrenze von maximal 200.000 Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen dürfen. Die CDU ist zwar für eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen, will sich der Forderung nach einer Obergrenze aber nicht anschließen.

Den jüngsten offiziellen Schätzungen zufolge wird sich der Zuzug von Flüchtlingen verlangsamen. Für dieses Jahr geht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von 500.000 Flüchtlingen als Arbeitsgrundlage aus. Dies habe Behördenchef Frank-Jürgen Weise der grünen Bundestagsfraktion erklärt, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Im vergangenen Jahr kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland.