Diese Szene irritiert: Menschen, dem Anschein nach Flüchtlinge, zerreißen Ausweisdokumente vor den Augen von Polizisten. Sie grinsen und sagen: "Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen." So ähnlich soll es sich in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof abgespielt haben. Das steht zumindest in einem internen Bericht der Bundespolizei, der in den vergangenen Tagen von vielen Medien ausführlich zitiert wurde. Ein Bericht, der die offizielle Version der Kölner Polizei in Zweifel zieht und zu einem Auslöser dafür wurde, dass der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.

Doch auch der Bericht wirft Fragen auf.

Bei dem zerrissenen Dokument soll es sich, so ist zu lesen, um einen sogenannten Aufenthaltstitel gehandelt haben. Den bekommt nur, wer sein Asylverfahren bereits durchlaufen hat. Stimmt der Bericht, müsste es sich bei den Menschen also um offiziell anerkannte Asylbewerber gehandelt haben. Aufenthaltstitel aber sind Plastikkarten in der Größe eines Personalausweises. Die lassen sich nicht so einfach zerreißen. Handelte es sich also vielleicht um ein anderes Dokument?

Büma, AG oder Aufenthaltstitel?

Ein Flüchtling bekommt während seines Asylverfahrens verschiedenste Papiere. Das erste ist die Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender, kurz Büma, die ihm während der Erstregistrierung vom Land ausgestellt wird: Ein Blatt Papier in DIN-A4-Format. Das behält er, bis er offiziell einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gestellt hat.

Ist das geschehen, stellt das Bamf ihm eine sogenannte Aufenthaltsgestattung aus. Damit weist sich ein Asylbewerber aus, bis über seinen Antrag entschieden ist, was Monate oder Jahre dauern kann. Erst danach winkt der Aufenthaltstitel aus Plastik. Die Aufenthaltsgestattung wiederum ist ein Faltblatt, in seiner Form ähnlich wie die früheren EU-Führerscheine, und ist nur relativ reißfest.

Wurde das Papier vor den Augen der Kölner Polizisten also tatsächlich zerrissen, könnte es sich eher um eine Büma oder eine Aufenthaltsgestattung gehandelt haben und nicht, wie beschrieben, um einen Aufenthaltstitel. Ein Bereitschaftspolizist sagte  ZEIT ONLINE, dass die Mehrheit der etwa 70 kontrollierten Personen nur ein Papier vom Bamf vorzeigen konnte, also ein auf Bundesebene ausgestelltes Dokument. Das würde auf letzteres Dokument hindeuten.