Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln die Arbeit der Polizei kritisiert. Es könne nicht sein, dass erst der Bahnhofsvorplatz geräumt werde, "und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung Tagesthemen. "So kann die Polizei nicht arbeiten." Auf die Frage, ob die Polizei versagt habe, antwortete de Maizière: "Die gleiche Frage habe ich auch. Das müssen die Verantwortlichen vor Ort klären."

Er frage sich auch, warum die Polizei am Neujahrstag noch habe sagen können, "es wäre alles friedlich gewesen", sagte de Maizière weiter. Er forderte eine dringende Aufklärung der Vorfälle. Klar sei für ihn: "Wir brauchen eine klare, harte Antwort des Rechtsstaates und wir brauchen Vorsorge, dass so etwas nicht noch einmal geschieht."

Aus Protest gegen die Übergriffe demonstrierten am Dienstagabend in Köln mehrere Hundert Menschen gegen Gewalt gegen Frauen. Nach Angaben der Polizei kamen etwa 250 bis 300 Frauen und Männer zu der Kundgebung vor dem Dom. Sie forderten mehr Respekt und einen besseren Schutz von Frauen. In der Silvesternacht soll es rund um den Kölner Hauptbahnhof und den benachbarten Dom zu einer Serie von sexuellen Übergriffen gegen Frauen sowie anderen Straftaten gekommen sein. Laut Polizei liegen mittlerweile 90 Strafanzeigen vor. Bislang haben die Ermittler aber keine genauen Kenntnisse über die mutmaßlichen Täter.

De Maizière sagte, es dürfe "keinen Generalverdacht gegen Flüchtlinge" geben. Es müsse zwischen denen, die straffällig werden und denen, die nicht straffällig werden, unterschieden werden. "Das machen wir bei Deutschen ja auch. Und diese gleiche Haltung brauchen wir auch gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern." Es dürfe aber kein "Tabu" errichtet werden, "dass wenn Straftaten begangen worden sind und einiges dafür spricht, dass es Nordafrikaner waren", dann "einfach darüber hinweg geredet" werde, fügte der Innenminister mit Blick auf die Vorfälle in Köln hinzu.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warnte vor Pauschalurteilen über Flüchtlinge. "Niemand sollte die Übergriffe instrumentalisieren, um Flüchtlinge pauschal zu diskreditieren", sagte Maas der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn Asylbewerber unter den Tätern waren, ist das noch lange kein Grund, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen."