Bei den akuten Terrorwarnungen für die Silvesternacht in München haben die Behörden von befreundeten Geheimdiensten einige Namen von Verdächtigen übermittelt bekommen. Laut Polizeipräsident Hubertus Andrä werden die Daten momentan ausgewertet. Die Polizei konzentriert sich auf fünf bis sieben Verdächtige. Bei den potenziellen Attentätern soll es sich um Syrer und Iraker handeln. "Ob es die Personen tatsächlich gibt, wissen wir nicht", sagte Andrä auf einer Pressekonferenz in München. Man habe Namen genannt bekommen, habe diese aber weder in München noch sonst irgendwo lokalisieren können.

Nach den akuten Terrorwarnungen sieht Polizeipräsident Andrä die Gefährdungslage nun wieder auf dem Stand von vor der Silvesternacht. "Die Lage hat sich wieder etwas entspannt, nachdem heute Nacht Gott sei Dank kein Anschlag verübt wurde", sagte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag im Bayerischen Fernsehen. Zwar bestehe insgesamt eine hohe Anschlagsgefahr in Europa, es gebe "aber keinen unmittelbaren Hinweis auf einen Anschlag heute oder morgen an einem bestimmten Ort", sagte Herrmann. Er verteidigte das Vorgehen in der Silvesternacht: Die Hinweise auf möglicherweise bevorstehende Anschläge seien sehr konkret gewesen und man habe sehr kurzfristig entscheiden müssen. "Wir kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, das kann nicht einfach ignoriert werden."

Sogenannte Trittbrettfahrer warnte Andrä eindringlich: Diese müssten sich "warm anziehen". Er berichtete, die Warnung habe bisher zwei Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen, die Bombenschläge angekündigt hätten. Er kündigte hier scharfe Maßnahmen an.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Terrorwarnung in München gerechtfertigt. "Die bayerischen Behörden haben mit Unterstützung der Bundespolizei umsichtig, besonnen und entschlossen gehandelt", erklärte der CDU-Politiker. "Auch in Zukunft werden die Sicherheitsbehörden die Situation gründlich analysieren und die gebotenen Maßnahmen konsequent ergreifen." De Maizière geht nach dem Terroralarm von einer weiterhin ernsten Sicherheitslage in Deutschland aus. Es bestehe weiterhin eine "hohe Gefährdung durch den internationalen Terrorismus", erklärte de Maizière.

Lob für Polizeieinsatz

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat den Terroralarm der bayerischen Polizei in der Neujahrsnacht gelobt. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek sagte: "Die bayerische Polizei hat mit den Sperrungen der Bahnhöfe und der Aufforderung an die Bürger, Menschenansammlungen zu meiden, mögliche Ziele von Terroristen aufgelöst und so offenbar ihre Pläne durchkreuzt."

In der Nacht hatte es Hinweise auf Anschlagspläne in München gegeben. Am späten Silvesterabend hatte die Polizei eine Terrorwarnung veröffentlicht und den Münchener Hauptbahnhof und den Bahnhof Pasing evakuiert. Am Neujahrsmorgen hat die Polizei die Orte wieder freigegeben. Rund 550 Einsatzkräfte waren in der Silvesternacht in München im Einsatz.

Hinter den Anschlagsplänen soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) stecken, sagte der bayrische Innenminister Joachim Herrmann in der Nacht. 

"Noch keine direkte Entspannung"

Etwas abweichend klingen die Informationen des Bayerischen Rundfunks: Demnach soll es sich bei den mutmaßlichen Attentätern um sieben Iraker handeln, die sich in München aufhalten und namentlich bekannt sind. Geplant war demnach wohl, dass sich die Männer zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen. So konkret wurde der Polizeipräsident jedoch nicht.

Auch am Neujahrsmorgen ist die Polizeidichte in der Stadt höher als üblich. "Wir haben derzeit weiterhin noch circa 100 Einsatzkräfte zusätzlich im Dienst", sagte Andrä. Die Beamten liefen in der Innenstadt und an den betroffenen Bahnhöfen Streife. Dies geschehe, "um entsprechend Präsenz zu zeigen und dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger gerecht werden zu können".