Polizisten in Paris sichern den Tatort nach der Messerattacke eines IS-Sympathisanten. © Charles Platiau/Reuters

Der IS-Sympathisant, der in Paris bei einem Angriff auf Polizisten erschossen wurde,  hat in einer Asylbewerberunterkunft in Nordrhein-Westfalen gewohnt. Er lebte in einer Wohnung in einer Unterkunft in Recklinghausen, teilte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) mit. Einsatzkräfte der Polizei hätten die Wohnung untersucht. Vorausgegangen seien Hinweise französischer Sicherheitsbehörden.

Das LKA setzte nach eigenen Angaben eine Ermittlungskommission ein. Diese stimme sich eng mit den französischen Sicherheitsbehörden und dem Bundeskriminalamt ab. Konkrete Hinweise auf weitere Anschläge gebe es derzeit aber nicht.

Der Mann war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin Charlie Hebdo auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Zudem hatte er eine Sprengstoff-Attrappe bei sich. Die Beamten erschossen ihn. Ermittler fanden bei ihm ein Bekenntnis zur "Terrormiliz Islamischer Staat "(IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus.

Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise schreibt, war der Mann in der Bundesrepublik unter vier Aliasnamen registriert. In einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen habe er im September 2015 das Zeichen des IS an die Wand gemalt. Die in Deutschland angegebenen Staatsangehörigkeiten waren der Zeitung zufolge mal syrisch, mal marokkanisch, mal georgisch. Der Mann sei mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

In Frankreich hatte sich der Mann laut Staatsanwalt bei einer früheren Kontrolle als Marokkaner ausgegeben. In einem bei ihm gefundenen Schreiben nannte er dagegen einen anderen Namen und bezeichnete sich als Tunesier, als dieser soll er französischen Medien zufolge auch von seinem Umfeld erkannt worden sein. Seine tatsächliche Identität ist aber noch nicht offiziell bestätigt.

Als Verdachtsfall eingestuft

Nach Informationen des Nachrichtenportals Spiegel Online posierte der Mann in seiner nordrhein-westfälischen Flüchtlingsunterkunft mit einer IS-Fahne. Die Landesbehörden stuften ihn demnach als Verdachtsfall ein, doch im Dezember 2015 verschwand er spurlos aus Recklinghausen.

Ein tunesisches Paar, das sich in einem vom tunesischen Rundfunk ausgestrahlten Video als die Eltern des Mannes vorstellte, beteuerte die Unschuld ihres Sohnes. Die Frau sagte, sie habe ihren Sohn gebeten, nach Hause zu kommen, da sie eine Handoperation haben werde. "Er hat nichts getan", sagte sie weiter und warf den französischen Behörden vor, ihren Sohn grundlos getötet zu haben. Sein Vater bekräftigte, sein Sohn habe keiner extremistischen Organisation angehört. 

Auch die französische Justizministerin Christiane Taubira erklärte später, dass keine Verbindungen des Täters zu Islamistengruppen bekannt seien. Sie deutete an, der Mann haben möglicherweise an einer psychischen Störung gelitten.