Bei den Angriffen auf Ausländer am Sonntagabend in der Kölner Innenstadt handelt es sich nach Erkenntnissen der Polizei um "fremdenfeindliche Straftaten". Hier hätten sich gezielt Leute über die Sozialen Netzwerke verabredet, um auf augenscheinlich "nicht deutsche Menschen" loszugehen, sagte Norbert Wagner von der Kölner Polizei. "Es ist ein alarmierendes Signal, dass wir sehr ernst nehmen."

Nach den Hinweisen in den sozialen Netzwerken sei die Polizei am Sonntag ab 16.30 Uhr im Einsatz gewesen und habe die Kräfteanzahl zweimal angepasst, sagte Michael Temme, bei der Kölner Polizei für die Gefahrenabwehr zuständig. Binnen einiger Stunden seien 153 Personen überprüft und 199 Platzverweise ausgesprochen worden, vier Menschen seien in Gewahrsam. Die Beteiligten seien zum Teil Rechtsextreme gewesen, zum Teil kämen sie aus der Hooligan-, Rocker- oder Türsteher-Szene. "Das sind Taten von Menschen, die meinen, sie müssten das Recht in die eigene Hand nehmen." Die Situation mache ihm "große Sorgen", doch werde die Polizei alles tun, um die Bürger zu schützen.

Der Angriff richtete sich gegen insgesamt elf Ausländer – sechs Pakistaner, zwei Syrer und drei Menschen aus Neu-Guinea. Mehrere Menschen seien verletzt worden, darunter zwei Pakistaner und ein Syrer. Zwei Männer wurden zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht, konnten dieses aber kurze Zeit später wieder verlassen. Die Ermittlungen dauerten nach Angaben der Polizei an.

Die Polizei wird ihre Präsenz in der Innenstadt deutlich aufstocken, sagte Temme. Die Zahl der regulären Streifeneinsätze werde erhöht, die Umgebung speziell um Dom und Hauptbahnhof regelmäßig kontrolliert, kündigte Temme an. Die Personalstärke werde an die jeweilige Situation angepasst. Auch mit Blick auf die Sicherheit der Menschen bei den anstehenden Karnevalstagen würden alle rechtlichen Möglichkeiten, wie Platzverweise oder Meldeauflagen, geprüft, so Temme.

Seit Silvester registrieren Migrantenorganisationen und muslimische Verbände eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Muslimen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger: "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses."

Die Bundesregierung verurteilte die jüngsten Übergriffe gegen Migranten scharf. Solche Taten seien auch durch die "unerträglichen Straftaten" während der Silvesternacht in Köln nicht zu entschuldigen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die große Mehrzahl der Flüchtlinge sei unbescholten und bereit, sich "den Regeln und Werten Deutschlands anzupassen".