Künftig können auch unverheiratete Paare vom Staat Geld für eine künstliche Befruchtung bekommen. "Es ist nicht mehr zeitgemäß, unverheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch anders zu behandeln als Verheiratete", sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) in Berlin. Schwesig öffnete mit sofortiger Wirkung eine entsprechende Richtlinie auch für Paare ohne Trauschein.

Sie erhalten vom Bund Zuwendungen für die erste bis dritte Behandlung in Höhe von bis zu 12,5 Prozent und für die vierte Behandlung in Höhe von bis zu 25 Prozent des Eigenanteils. Der Kinderwunsch von Eltern dürfe nicht am Geld scheitern, sagte Schwesig. Deshalb müssten Paare mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützt werden, "egal, ob sie verheiratet sind oder nicht". Schwesig setzt sich seit Längerem für die Ausweitung der staatlichen Unterstützung ein. Bisher stieß sie aber beim Koalitionspartner auf Widerstand.

Die finanzielle Unterstützung gilt für nichteheliche Lebensgemeinschaften. Diese ist definiert als "eine auf längere Zeit und Dauer angelegte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau". Bei der Förderung komme es auf eine "gefestigte, intakte  Beziehung des Elternpaares an, die naturgemäß auch bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft von Frau und Mann gegeben sein kann".

Ob Paare staatliche Hilfe erhalten, ist aber auch vom jeweiligen Bundesland abhängig. Seit 2012 stellt der Bund finanzielle Hilfen zur Verfügung, vorausgesetzt, die jeweiligen Bundesländer beteiligen sich in mindestens gleicher Höhe. Bislang ist dies nur in sechs Bundesländern der Fall: in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Auch bei unverheirateten Paaren bleibt es Voraussetzung für Zahlungen vom Bund, dass sich das jeweilige Bundesland an der Förderung beteiligt. Als einziges Land fördert bislang Sachsen-Anhalt auch nicht verheiratete Paare.

Keine Übernahme von der Krankenkasse

Die Krankenkassen übernehmen auch künftig keine Kosten bei unverheirateten Paaren. Selbst wenn sie wollten, sie dürfen das laut einem Urteil des Bundessozialgerichts vom November 2014 nicht. Dem Urteil war ein seit 2012 andauernder Streit zwischen der Krankenkasse BKK VBU und Gerichten vorausgegangen. Sie wollte all ihren Versicherten eine künstliche Befruchtung ermöglichen.

Bei verheirateten Paaren zahlen die Kassen Anteile an maximal drei Versuchen einer künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers, die Höhe des Zuschusses variiert je nach Kasse. Bund und Länder bezuschussen den verbleibenden Eigenanteil in Höhe von 50 Prozent. Der Bund übernimmt davon maximal 25 Prozent.

In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Die Dauer und die Kosten der Behandlungen sind für die Betroffenen nicht nur eine psychische Belastung, sondern stellen oft auch eine erhebliche finanzielle Hürde dar. Einer Studie zufolge ist der Anteil der Paare, die von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen sind, bei nicht Verheirateten mit 38 Prozent doppelt so hoch wie der Anteil bei den Verheirateten (19 Prozent).

Seit 2013 werden einem Bericht der Funke Mediengruppe zufolge jedes Jahr zehn Millionen Euro für die Bundesinitiative Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit eingeplant. Das Geld soll nach Angaben des Ministeriums auch nach der Ausweitung des Empfängerkreises ausreichen.