Der Deutsche Städtetag stellt sich hinter die Pläne der großen Koalition, Flüchtlingen zeitweise den Wohnsitz vorzuschreiben. "Es ist nicht gut, wenn sich fast alle anerkannten Flüchtlinge und Asylbewerber in wenigen Städten und Ballungsräumen konzentrieren, sagte Städtetag-Präsidentin Eva Lohse der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Dann wird die Integration dort schwieriger."

Die Unterstützung für Flüchtlinge könnte etwa daran gebunden werden, "dass sie einen bestimmten Wohnsitz nehmen", sagte Lohse. Dies könne gelten, solange Flüchtlinge noch keinen Arbeitsplatz hätten und ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten könnten.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte sich für eine Wohnsitzauflage ausgesprochen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte dafür, dies zu prüfen. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte der Welt, gerade Großstädte und Ballungszentren seien bereits besonders bei der Versorgung von Flüchtlingen gefordert, "während manche ländliche Gebiete Zuzug und Integration gut bewältigen".

Der Staatsrechtler und frühere Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) sieht rechtlich keine Probleme: "Erstens handelt es sich bei den Flüchtlingen nicht um deutsche Staatsangehörige, zweitens ist die Wohnversorgung der Flüchtlinge eine rein sozialstaatliche Leistung", sagte er der Welt.

Die Linke äußerte sich dagegen ablehnend. Parteichef Bernd Riexinger schrieb im Internetkurzmitteilungsdienst Twitter: "Um Überbietungswettbewerb mit #CDU zu bestehen fällt #Gabriel eigener Partei in den Rücken: #Wohnsitzauflage eines Getriebenen."

Kritik kommt auch von der Hilfsorganisation Pro Asyl. "Integrationspolitisch ist das keine gute Idee", sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl, Bernd Mesovic. Flüchtlinge dürften nicht in strukturschwachen Gebieten festgehalten werden, wo es kaum Arbeitsplätze gebe. Damit werde die Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft weiter erschwert. Von deutschen Jobsuchenden werde Flexibilität und Mobilität verlangt, es gebe keinen Grund, warum dies für Flüchtlinge nicht gelten solle.

Auch rechtlich seien die Pläne für eine Wohnsitzauflage problematisch. "Das Recht auf Freizügigkeit gilt auch für anerkannte Flüchtlinge", sagte der Pro-Asyl-Sprecher. "Wenn ein Asylbewerber nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt ist, geht das nicht so einfach."