Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will nicht unbedingt für das Amt des Bundeskanzlers kandidieren. "Wenn es bessere Kandidaten gibt", sollte ein Parteichef  "auch den Mut haben, die eigenen Ambitionen zurückzustellen", sagte Gabriel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Eine Entscheidung werde seine Partei erst treffen, wenn es an der Zeit sei. Sonst gebe es 2016 das ganze Jahr einen vorgezogenen Bundestagswahlkampf.

Ausschließen wollte Gabriel eine Kandidatur jedoch nicht. "Jeder Vorsitzende einer großen Partei muss sich für geeignet halten, auch Kanzler unserer Republik zu werden", sagte Gabriel. Sonst solle er nicht Vorsitzender werden. Es gebe in dieser Sache jedoch keinen Automatismus.

Gabriel hatte auf dem Bundesparteitag der SPD bei seiner Wiederwahl mit 74,3 Prozent der Stimmen sein bisher schlechtestes Ergebnis als Parteivorsitzender erreicht. Darin sieht Gabriel keinen Anlass, seine Politik zu ändern. "Am Ende sind 75 Prozent für das Richtige besser als 100 Prozent für das Falsche", sagte Gabriel der FAZ. Er habe seiner Partei immerhin auch "eine Menge zugemutet".

So hatte Gabriel etwa die Vorratsdatenspeicherung gegen den Widerstand der Partei durchgesetzt. Die Basis wirft dem Parteichef außerdem vor, als Wirtschaftsminister eine zu wirtschaftsfreundliche Politik zu betreiben. So wirbt er beispielsweise für die auch innerhalb der SPD umstrittenen transatlantische Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Auch ist es ihm noch nicht gelungen, die deutschen Waffenexporte, für die er als Wirtschaftsminister verantwortlich ist, konsequent zu senken.