Eine große Mehrheit der Deutschen stellt der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik ein vernichtendes Zeugnis aus: 81 Prozent der Befragten haben den Eindruck, die Regierung habe die Flüchtlingssituation in Deutschland nicht im Griff, heißt es im ARD-Deutschlandtrend. Die Bereitschaft, Bürgerkriegsflüchtlingen Schutz zu gewähren, ist allerdings weiterhin hoch. 94 Prozent der Befragten unterstützen, dass die Bundesrepublik Flüchtlinge aufnimmt, die vor Kriegen geflohen sind. Selbst unter Anhängern der AfD stimmten 76 Prozent zu, teilte der WDR mit.

Rund drei von vier Befragten – und unter den AfD-Anhängern jeder Zweite – befürworten eine Aufnahme bei politischer oder religiöser Verfolgung. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Menschen nach Deutschland fliehen, weil sie in ihrem Heimatland keine Arbeit und kein Auskommen haben. In diesem Fall gibt nur einer von vier Befragten an, dass Deutschland diese Menschen aufnehmen solle. Von den AfD-Anhängern unterstützen dies nur fünf Prozent.

63 Prozent befürworten die zwischen den Parteien umstrittene Obergrenze zur Aufnahme von Flüchtlingen; das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Januar. Fast acht von zehn Befragten unterstützen die Entscheidung, Algerien, Marokko und Tunesien zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. Ebenso viele halten es für eine richtige Maßnahme, an der Grenze Zentren zu schaffen, um Flüchtlinge ohne Asylanspruch direkt zurückweisen zu können.

Die Kürzung von Sozialleistungen für Flüchtlinge, die sich nicht integrieren wollen, stößt auf breite Zustimmung. Umstritten ist dagegen, den Familiennachzug unter anderem für Bürgerkriegsflüchtlinge auszusetzen: 44 Prozent halten den Schritt für richtig, 49 Prozent lehnen ihn ab.

AfD in der Sonntagsfrage bei zwölf Prozent

Die Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet ihren Niederschlag in der Sonntagsfrage: Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, käme die Union nur auf 35 Prozent, vier Punkte weniger als im Januar. Die SPD stagniert bei 24 Prozent.

Die AfD steigt dagegen von neun auf zwölf Prozent und damit auf den höchsten Wert, der im ARD-Deutschlandtrend für die rechtspopulistische Partei bisher gemessen wurde. Die Linke verbessert sich im Deutschlandtrend leicht auf neun Prozent, die Grünen sinken auf zehn Prozent. Die FDP zöge mit fünf Prozent wieder in den Bundestag ein.

Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung insgesamt ist deutlich gesunken. 38 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden, vor einem Monat waren es noch 51 Prozent. Die Beliebtheit der Kanzlerin erreichte mit 46 Prozent (minus zwölf) den schlechtesten Wert seit August 2011. Die Zustimmung für den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, der seit Wochen einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik fordert, stieg dagegen um zwei Punkte auf 45 Prozent.

Für den ARD-Deutschlandtrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Montag und Dienstag dieser Woche 1.004 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte, für die Sonntagsfrage 1.504 Wahlberechtigte.