Flüchtlinge führen meist kein Bargeld mit sich sondern lassen es sich, wenn welches vorhanden ist, telegrafisch anweisen. Denn auf ihrer Flucht begegnen sie Leuten, die es ihnen wegnehmen wollen.

Leider auch am Zufluchtsort: Der deutsche Staat darf ihnen das Geld abknöpfen und die Wertsachen gleich mit, oberhalb eines Betrags von 200 bis 750 Euro, je nach Bundesland. Das heißt dann Sicherheitsleistung, und die Begründung geht so: Wer Unterkunft und Verpflegung bezahlen kann, muss dafür gerechterweise erst einmal sein Vermögen aufbrauchen. Damit das auch geschieht, werde es sicherheitshalber einbehalten. Hartz-IV-Empfänger müssten schließlich auch ihre Konten leeren, bevor sie etwas erhalten.

Schon schnappt die Populismusfalle zu. Als wenn Gleichheit vor dem Gesetz bedeutete, mit jedermann müsse gleichermaßen verfahren werden!

Nein, nur Gleiches ist gleich zu behandeln, Ungleiches indessen ungleich. Und so bedauernswert oder empörend die Lage derjenigen sein kann, die Hartz IV beziehen: Sie haben in der Regel ein soziales Umfeld, kennen sich aus im Land, sprechen seine Sprache und haben eine Wohnung. Flüchtlinge nicht. Ihr Fall ist anders. Daher auch anders zu behandeln. Und wer findet, dass Hartz IV ungerecht sei, der hat erst recht kein anständiges Argument dafür, dass mit Flüchtlingen genauso umgesprungen werden sollte.

Was Flüchtlinge im Gepäckbündel mit sich führen, ist das Einzige, was ihnen geblieben ist. Wer es ihnen wegnimmt,  handelt wie ein Wegelagerer. Prächtiger Beitrag zur Integration, ganz wie die Verweigerung des Familiennachzugs, die Residenzpflicht irgendwo auf dem Land oder ein Arbeitsverbot. Apropos: Dürften die Ankommenden arbeiten, und die meisten wollen es ja, dann könnten sie die erhaltenen Leistungen wie Kost und Logis später von ihrem Einkommen zurückzahlen.

Flüchtlinge in Berlin - Ohne Lebensmittelspenden müssten sie hungern Heimbetreiber schlagen Alarm: Flüchtlinge, die sich selbst versorgen, warten seit Wochen auf Geld, deshalb müssten diese hungern. Senator Czaja verspricht Abhilfe.

Gewiss, es lassen sich Grenzfälle denken. Zum Beispiel: Jemand kommt mit 100.000 Euro an. Nur würde der nicht ins Flüchtlingsheim ziehen, sondern ins Hotel. Er würde auch nicht für 148 Euro Beihilfe im Monat Schlange stehen. Und vor allem: Es gibt diesen Jemand nicht. Jedenfalls nicht auf dem Mittelmeer oder auf der Balkanroute. Ausdenken lässt sich vieles. Die Realitäten der Flucht sehen anders aus.

Was also ist der wahre Sinn dieser beschämenden Regelung im Asylbewerberleistungsgesetz (die von Behörden, in denen sich der Sinn für Peinlichkeit erhalten hat, nicht ausgeschöpft wird)? Blicken wir nach Dänemark, das seinen Behörden seit Kurzem ebenfalls das Ausplündern von Flüchtlingen erlaubt.

Der Sprecher der dänischen Volkspartei, auf die sich die dortige Minderheitsregierung stützt, drückte es so aus: "Wir sagen den Flüchtlingen, wenn Sie nach Europa kommen wollen, machen Sie besser einen Bogen um Dänemark." Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt sich's gänzlich ungeniert.