Guido Wolf möchte gerne sein Land retten. Vor grüner "Bevormundung" und linker "Geldverschwendung". Guido Wolf, Spitzenkandidat der CDU, möchte Baden-Württemberg wieder "Lust auf Zukunft" machen, das ist sein Slogan.

Guido Wolf glaubt, dass das Land ihn und seine Partei braucht. Das Land aber ist sich da nicht so sicher.

Vielleicht wird es gar nicht bevormundet und sein Geld nicht verschwendet. Vielleicht hat das Land auch ohne Guido Wolf Lust auf Zukunft. Vielleicht kommt es ganz gut zurecht ohne ihn und seine CDU.

Bürgerempfang in der Musikhalle Ludwigsburg. Wolf steigt auf die Bühne, aus den Boxen klingt "ein Hoch auf uns", der große Weltmeister- und Wohlfühl-Hit des vergangenen Sommers. Wolf ist Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl am 13. März. Ein eher kleiner Mann mit einem fast kindlich-weichen Gesicht, in dem eine dicke schwarze Brille eines Sportartikelherstellers hängt.

Er redet eine halbe Stunde. Baden-Württemberg solle "wieder Kinderland" werden, ruft Wolf in Saal, "Kinderlachen soll wieder Zukunftsmusik sein". Er versucht dann zu begründen, warum Kinder und Familien unter Grün-Rot weniger zu lachen hätten: Weil die Regierung die neuen Gemeinschaftsschulen fördere und so Gymnasien und Realschulen vernachlässige. Weil Wolf aber weiß, dass das nicht besonders dramatisch klingt, schließlich setzen auch die Grünen längst auf Wahlfreiheit der Eltern in der Schulfrage, hat er ein bisschen tiefer gewühlt. Bei der Grünen Jugend ist er fündig geworden. Die fordern "Eine Schule für alle", was schon eher nach der Abschaffung des Gymnasiums klingt, die so viele CDU-Anhänger fürchten. "Gleichmacherei lehnen wir ab", ruft Wolf also. "Wir wollen Gymnasium pur!"

Die Grünen sind ihnen zu ähnlich

Aber auch die CDU-Anhänger in der Musikhalle wissen, dass nicht die Grüne Jugend regiert, sondern Winfried Kretschmann. Deshalb hält sich ihr Applaus wie ihre Angst in Grenzen. Die CDU muss ziemlichen Aufwand betreiben, um die Grünen noch als echtes Feindbild für die Schwarzen aufzubauen. Sie sind ihnen einfach zu ähnlich geworden. 

Es ist ein merkwürdiger Wahlkampf für Wolf und seine Partei. 58 Jahre hat sie das Land regiert, bis ein grün-rotes Bündnis sie 2011 unter Führung des dunkelgrünen Winfried Kretschmann überholte. In Fukushima kam es zum Atomunfall, und den Grünen, die immer gewarnt hatten, liefen die Wähler zu. Unglückliches Timing, ein Ausrutscher, hoffte die CDU. Doch fünf Jahre später steht Kretschmann in den Umfragen aber immer noch da oben. Und wieder bestimmt pünktlich zur nächsten Landtagswahl ein Thema die öffentliche Debatte: die Flüchtlingspolitik. Auch diesmal ist da eine Partei, die gewarnt hat, und nun der CDU Stimmen kostet: die AfD.

"Deswegen sind wir keine schlechten Menschen"

Ein Donnerstagnachmittag in der Fußgängerzone von Pforzheim. Termin bei Juwelier Leicht. Der Chef führt seinen Schmuck, ein Mannequin und seinen Laden vor, inklusive "Diamond Lounge" und Sekt für alle. Viel weiter weg könnte die Flüchtlingskrise nicht sein. Doch dann, als Wolf sich schon verabschieden will, platzt es aus der Mutter des Juweliers doch noch hervor. "Aber diese ganzen Ausländer, das ist schon sehr stark, wie einem das auffällt", sagt die alte Dame. Und Wolf, der Kandidat, erwidert, halb überrumpelt, halb routiniert: "Ja, Migration, das ist ein großes Thema, eine große Herausforderung." Die alte Frau Leicht setzt nach: "Und nie allein sind die. Immer mit Kinderwagen oder als Gruppe." Wolf: "Da machen sich viele auch Sorgen, das verstehe ich, deswegen sind wir keine schlechten Menschen."

Was soll er auch sagen? Er ist ja eingekeilt zwischen einem grünen Ministerpräsidenten, der nach eigener Aussage täglich für die CDU-Kanzlerin betet wegen deren Flüchtlingspolitik. Auf der anderen Seite zieht die AfD alle schwarzen Wähler an, denen es längst und grundsätzlich reicht mit den vielen Asylbewerbern. Im Korridor dazwischen versucht Wolf vor allem, nicht zu viele unzufriedene Wähler zu vertreiben und gleichzeitig Angela Merkel nicht anzugreifen.