Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach hat sich nach der heftigen Kritik an einem Twitter-Beitrag verteidigt. "Das Foto schickte mir ein besorgter Vater aus Frankfurt am Main, dessen Kind in seiner Klasse nur noch zwei weitere deutsche Mitschüler hat. Das Foto hatte er in der Mail mit angehängt", sagte Steinbach der Bild-Zeitung.

Steinbach hatte am Wochenende ein Bild auf Twitter verbreitet, das ein kleines blondes Kind inmitten einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen zeigt. Überschrieben ist das Foto mit den Worten "Deutschland 2030", darunter steht: "Woher kommst du denn?" Das Foto kursiert seit Längerem im Netz – unter anderem findet man es auf der Seite der rechtsradikalen Plattform volksbetrug.net.

Steinbach sagte jetzt, das Foto zeige lediglich ein Problem, das die Menschen umtreibe. "Es ist kein aggressives Foto. Es sind auch keine arabischen Flüchtlinge darauf zu sehen, sondern freundliche Inder, die das Kind neugierig und interessiert ansehen." Auf die Frage, ob Deutschland 2030 wirklich so aussehen könne wie auf dem Foto, antwortete sie: "Die Daten deuten darauf hin. In Großstädten gibt es jetzt schon einen erheblichen Anteil nichtdeutscher Bevölkerung."

Kritisiert wurde Steinbach von der eigenen Partei ebenso wie von der Opposition. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte, das Parteipräsidium habe in einer Sitzung klar gemacht, "dass wir das nicht für einen hilfreichen, passenden Beitrag in der aktuellen Zeit halten". Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte der Mitteldeutschen Zeitung, "das ist nicht die Position der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und selbstverständlich auch nicht meine."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, Steinbach ihres Postens als Menschenrechtssprecherin der Unionsfraktion zu entheben. "Die Union muss sich jetzt klar dazu verhalten", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Für mich stellt sich die Frage, wie Frau Steinbach ihre rassistischen Äußerungen mit ihrer Funktion als Sprecherin für Menschenrechte vereinbaren kann."

Auch der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, forderte: "Ich erwarte von Herrn Kauder, dass er derartige rassistische Entgleisungen nicht ohne Konsequenzen für Frau Steinbach lässt." Steinbach hatte schon mehrfach durch Äußerungen im Internet für heftige Debatten gesorgt. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warf ihr vor, zu spalten und Ängste zu schüren.