Asylbewerber sollten für eine kurze Zeit an einem vorgeschriebenen Wohnort leben. Dafür hat sich Frank-Jürgen Weise ausgesprochen, Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). In Ballungszentren entstünden schnell Gettos, sagte Weise den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ich befürworte daher eine befristete Residenzpflicht von drei Monaten. In dieser ersten Zeit sollten Asylbewerber in Landkreisen untergebracht werden, in denen mehr Wohnraum als in Großstädten verfügbar sei." Danach dürften sie arbeiten, sagte Weise, "und dann sollte auch die Residenzpflicht aufgehoben werden".

Derzeit gibt es eine Residenzpflicht für drei Monate lediglich für nicht anerkannte Asylbewerber und Geduldete. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will auch anerkannten Flüchtlingen für eine bestimmte Zeit den Wohnort vorschreiben, die SPD ist ebenfalls dafür. Zur Debatte stehen längere Zeiträume bis zu mehreren Jahren.

Weise schlug vor, die Residenzpflicht mithilfe des neuen Flüchtlingsausweises zu organisieren. "Die Bundesländer könnten in eigener Verantwortung festlegen, dass ein Asylbewerber seine Hilfsleistungen nur in einer bestimmten Stadt oder in einem bestimmten Landkreis bekommt", sagte Weise, der auch Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit ist.

"Fremdenfeindlichen Gewalttätern klar die Grenzen aufzeigen"

Auf die Nachfrage, ob man Flüchtlinge zwingen könne, in Regionen zu leben, in denen sich fremdenfeindliche Übergriffe häuften, antwortete Weise: "Es wäre falsch, sich einschüchtern zu lassen. Die Staatsmacht muss fremdenfeindlichen Gewalttätern klar die Grenzen aufzeigen."

Die Politik habe die Aufgabe, dem Gefühl einer gesellschaftlichen Überforderung etwas entgegenzusetzen. "Es darf nicht sein, dass sich Menschen in Deutschland aufhalten, von denen wir nichts wissen. Das schafft Verunsicherung", sagte Weise. "Wir müssen alle Flüchtlinge erfassen und den Eindruck erwecken, dass der Zustrom steuerbar ist."