Gutachter des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und des Kölner Finanzforschungsinstituts FiFo fordern einen neuen Verteilmechanismus für Flüchtlinge in Deutschland. Asylbewerber sollten dort untergebracht werden, wo es freie Wohnungen, Schulplätze, Lehrstellen und Jobs gibt, fordern die Wissenschaftler in zwei Gutachten im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Der gültige Königsteiner Schlüssel sei zur Verteilung der Flüchtlinge und der Zuweisung von Bundesmitteln nicht geeignet.

Der Königsteiner Schlüssel wurde 1949 eingeführt, um Forschungsgeld an die Länder zu verteilen. Er gilt inzwischen aber als allgemeiner Verteilmechanismus, der sich an Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl orientiert. So müsste nach der Quote das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen 21 Prozent aller Asylbewerber aufnehmen – tatsächlich sind es nach Berechnungen des arbeitgebernahen IW-Instituts knapp 23 Prozent, bei anerkannten Flüchtlinge sogar 29 Prozent und bei den Geduldeten etwa 31 Prozent. Grundlage sind Zahlen von 2014, die nach Ansicht der Fachleute im Trend aber weiter gültig sind.  

Die Gutachter fordern auch, die Aufteilung der Bundeshilfen an die Länder zu überarbeiten. Diese sollten nach dem Motto "Geld folgt Flüchtling" fließen. Die ostdeutschen Flächenländer bekämen gemessen an der von ihnen betreuten Flüchtlingszahl zu wenig, die Stadtstaaten dagegen zu viel Geld. So fehlten Mecklenburg-Vorpommern etwa 5,8 Prozent an Mitteln, an Bremen gingen 11,3 Prozent mehr als der Durchschnitt. "Die Verteilung der Gelder in der Flüchtlingspolitik berücksichtigt nicht, welche Länder bei der Flüchtlingsversorgung besonders viel leisten", sagte FiFo-Geschäftsführer Michael Thöne von der Universität Köln.

Thöne empfahl, das Geld an der Zahl der Flüchtlinge zu orientieren. Ferner sprach er sich langfristig für einen bildungsorientierten Finanzausgleich aus. Bei der Kostenerstattung der Länder an die Kommunen regen die Gutachter an, dass der Bund weitere kommunale Sozialleistungen übernimmt und die Bundesmittel direkt den Kommunen zuleitet. Einige Länder wie Bayern übernähmen derzeit bis zu 90 Prozent der pauschalierten Kosten für Unterbringung und Versorgung, andere erstatteten erheblich weniger.

IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös verlangte, auch den Wohnraum sowie die medizinische und soziale Versorgung als Kriterien heranzuziehen. "Vor allem sollte die Perspektive für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem berücksichtigt werden", da sie zentral für die Integration seien. Klös räumte ein, es könne zu Zielkonflikten kommen, etwa beim Wohnungsleerstand und gutem Arbeitsmarkt.

Der nordrhein-westfälische CDU-Landeschef Armin Laschet begrüßte als Vorsitzender der Robert-Bosch-Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik die "Empfehlungen" als Beitrag für eine notwendige politische Diskussion.