Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bei einer Kabinettssitzung in München (Bild vom 23. Februar) © Sven Hoppe/dpa

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat in deutlichen Worten die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender kritisiert. "Überspitzt gesagt: Wenn die nicht Live-Sendungen hätten, dann hätten sie wenige der Lebenswirklichkeit entsprechende Programminhalte", sagte Seehofer im Gespräch mit dem Spiegel.

Als Beispiel für seine Kritik führte Seehofer die Berichterstattung zu den sexuellen Übergriffen in Köln und in anderen Städten in der Silvesternacht an. Am Ende habe das ZDF sie bedauern müssen. "Zum Teil gab es eine Berichterstattung, die wenig mit der Realität zu tun hatte", sagte der CSU-Chef. Viel zu häufig seien die persönlichen Überzeugungen der Autoren der Maßstab für die Berichterstattung. Bereits direkt nach den Ereignissen von Köln hatten CSU-Politiker die ZDF-Berichterstattung stark kritisiert.

Ihre Kontrollmöglichkeiten in den ZDF-Gremien nutzt die CSU bisher trotz der anhaltenden Kritik aber offenbar nicht. CSU-Minister Markus Söder habe 2015 an keiner einzigen Sitzung des ZDF-Fernsehrats teilgenommen, Ministerpräsident Seehofer habe vier von sechs Sitzungen des Verwaltungsrats versäumt, kritisieren die bayrischen Grünen. "Es sieht so aus, als ob CSU-Politiker lieber hintenrum mit Beschwerdebriefen und Telefonanrufen beim Intendanten Einfluss auf  das ZDF-Programm nehmen als transparent in den offiziellen Arbeits-  und Kontrollgremien mitzuwirken", sagte der Vorsitzende der bayrischen Landtagsgrünen, Ludwig Hartmann. Wenn es Kritik oder  Zweifel an der Ausgewogenheit der Berichterstattung gebe, dann sei sie genau in diesen Gremien vorzubringen.