Im Koalitionsstreit um das Asylpaket II hat das SPD-geführte Bundesfamilienministerium einen Fehler eingeräumt. Das Ministerium habe die strittige Kabinettsvorlage geprüft und dabei auch die Veränderungen in Bezug auf den Familiennachzug für unbegleitete Minderjährige mit subsidiärem Schutzstatus bemerkt, sagte eine Sprecherin. "Aber die Tragweite wurde anders eingeschätzt." Diese Einschätzung sei falsch gewesen.

Die Regelungen im Asylpaket II sehen vor, dass der Familiennachzug auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ausgesetzt wird. Von diesem Teilaspekt des Pakets hatte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel am Freitag nachträglich distanziert: Der Punkt sei nicht abgesprochen und auch nicht Teil eines früheren Entwurfs gewesen, hatte der Vizekanzler der ARD gesagt.

Daraufhin war ein Streit zwischen der Union und der SPD entbrannt. Der kleinere Koalitionspartner fühlte sich übergangen. Kanzleramtschef Peter Altmaier kündigte dagegen an, den Entwurf wie geplant in den Bundestag einbringen zu wollen. Die Auseinandersetzung sollen nun die Bundesminister des Inneren und der Justiz, Thomas de Maizière (CDU) und Heiko Maas (SPD), endgültig klären. Das Gespräch findet am Montag statt.

Dabei ist bisher unklar, wie viele Kinder und Jugendliche aktuell betroffen sind. Im Jahr 2014 erhielten laut Innenministerium 214 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sogenannten subsidiären Schutz. 2015 waren es bisher 105 Fälle, allerdings dürfte die Zahl noch steigen.