Ein Mädchen in einer Flüchtlingsunterkunft in Hanau © Kai Pfaffenbach/Reuters

"Die Kommunen brauchen dringend Hilfe": Am Mittwoch wandte sich Eva Lohse, die Präsidentin des Deutschen Städtetags, an die Öffentlichkeit und forderte mehr Hilfe vom Bund für die Städte und Gemeinden, die bei der Bewältigung des Flüchtlingsandrangs an ihrer Leistungsgrenze angelangt seien. Eine Umfrage zeigt nun ein anderes Bild. Demnach fühlen sich nur wenige Kommunen durch die steigenden Flüchtlingszahlen überfordert.

Wie das ARD-Magazin Monitor berichtet, sind nur sechs Prozent der Kommunen nach eigenen Angaben bereits jetzt überlastet. Dies hätte eine Umfrage unter den 700 größten Städten und Gemeinden Deutschlands ergeben, von denen 373 an der Befragung teilgenommen hätten. Demnach antwortete die Hälfte der Kommunen, dass sie trotz Kapazitätsproblemen mit der aktuellen Zahl der Flüchtlinge zurechtkomme. 16 Prozent von ihnen könnten laut eigener Einschätzung sogar noch mehr Flüchtlinge aufnehmen, so der Monitor-Bericht.

Allerdings gibt es zwischen den Kommunen deutliche Unterschiede: Während einzelne Kommunen nur einen Flüchtling pro 1.000 Einwohnern aufgenommen haben, liegt der Spitzenwert im bayerischen Lichtenfels bei 78 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern. In der Spitzengruppe befinden sich laut Monitor besonders viele Kommunen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, während sich überproportional viele Kommunen aus Baden-Württemberg am Ende der Tabelle wiederfinden.

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"An der Grenze ihrer Belastbarkeit"

Auch bei der Art der Unterbringung gibt es dem Bericht zufolge große Differenzen. 43 Prozent der Kommunen setzen demnach auf Gemeinschaftsunterkünfte, während 40 Prozent bei der Unterbringung von Geflüchteten einzelne Wohnungen bevorzugen.

In seinem Bericht zitiert das Magazin auch den Deutschen Städtetag. Demnach sieht sich der Verband trotz der Umfrageergebnisse in seiner Einschätzung bestätigt: "Die deutschen Kommunen agieren zwar an der Grenze ihrer Belastbarkeit, sind aber nicht überfordert." Dennoch sei die Unterstützung von Bund und Ländern dringend notwendig.