Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, empfiehlt den Anhängern von Angela Merkel in Baden-Würtemberg, den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zu wählen. © Sebastian Willnow/dpa

Grünen-Chef Cem Özdemir hat die Anhänger von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Baden-Würtemberg aufgerufen, bei der anstehenden Landtagswahl den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zu wählen. "Wer den Kurs von Merkel in der CDU, also die Öffnung hin zur Mitte, unterstützt, sollte das Kreuz nicht bei Wolf machen, sondern bei Kretschmann", sagte Özdemir der Schwäbischen Zeitung mit Blick auf CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Normalerweise würde man erwarten, dass sich die CDU hinter ihre weltweit angesehene, populäre Kanzlerin Angela Merkel stelle, sagte Özdemir. "Das tut die CDU aber nicht. Ich halte das für einen Fehler."

Auch in der Rheinischen Post nahm Özdemir die Haltung der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik gegen Kritik aus der Union in Schutz. "Alles was die Merkel-Kritiker vorschlagen, hält einer kritischen Überprüfung nicht stand" sagte der Parteichef. Die Kanzlerin sitze jedoch trotz des schwindenden Rückhalts in den eigenen Reihen noch fest im Sattel. Die "angeblichen Hoffnungsträger de Maizière und von der Leyen" stellten keine Alternative zu ihr da. 

Auch Spitzenkandidat Kretschmann hatte vorige Woche die Kanzlerin und CDU-Chefin für ihre Haltung in der Flüchtlingskrise gelobt. "Es ist richtig, dass die Kanzlerin zäh an der europäischen Lösung festhält und Schritt für Schritt daran arbeitet." Am Umgang mit der Flüchtlingskrise werde sich erweisen, "ob das europäische Projekt Bestand hat". Dabei komme es entscheidend auf Angela Merkel an. "Sie verfügt über die nötige Erfahrung als Krisenmanagerin. Welcher ihrer Amtskollegen in der EU soll denn Europa zusammenhalten, wenn sie fällt? Da ist weit und breit niemand in Sicht. Deshalb bete ich jeden Tag dafür, dass die Bundeskanzlerin gesund bleibt."

Baden-Würtemberg wählt am 13. März eine neue Landesregierung. Deutschlands erster grüner Ministerpräsident Kretschmann ist kurz vor dem Ende seiner ersten Legislatur zwar äußerst beliebt: Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung waren im Januar zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung, 57 Prozent würden bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten Kretschmann wählen. Die Schwäche von Koalitionspartner SPD und der laut Umfragen wahrscheinliche Einzug der AfD in den Stuttgarter Landtag könnten eine Neuauflage der grün-roten Regierung jedoch verhindern.

AfD - Gabriel wirft AfD sprachliche Nähe zur NSDAP vor Die von der AfD geprägten Feindbilder seien mittlerweile eine echte Gefahr, erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel in Berlin. Deutschland sei eine stabile Demokratie, aber man erlebe derzeit alarmierend unversöhnliche Debatten.