• Die Polizei hat am Donnerstagmorgen in Berlin, NRW und Niedersachsen Razzien gegen mutmaßliche IS-Anhänger durchgeführt. Zwei Personen wurden festgenommen.
  • Den Verdächtigen wird die Vorbereitung einer "schweren staatsgefährdenden Gewalttat" vorgeworfen.
  • Nach Angaben der Ermittler planten die Verdächtigen einen Anschlag in Berlin. Laut Medienberichten soll der Alexanderplatz das Ziel gewesen sein.
  • Einer der Verdächtigen soll Verbindungen in die belgische Islamistenszene haben, in der die Anschläge vom 13. November in Paris geplant wurden.
  • Die weitere Entwicklung zu dem geplanten Anschlag in Berlin finden Sie in unserem Live-Blog.

Mutmaßliche Mitglieder einer islamistischen Terrorgruppe haben nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft einen Anschlag in Berlin geplant. "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland – konkret für Berlin", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner. Zu einem Bericht der Bild-Zeitung, wonach ein Anschlag am Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt geplant gewesen sei, wollte sich Steltner nicht äußern.

Die Polizei war am Morgen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gegen mutmaßliche Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) vorgegangen. Nach Auskunft der niedersächsischen Landespolizei wurde der Einsatz zentral vom Berliner Landeskriminalamt geplant und verantwortet. Die Ermittlungen gegen die Gruppe liefen seit Dezember. Allein in Berlin durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen, unter anderem in der Waldemarstraße in Kreuzberg, sowie einen Kiosk und einen Backshop am Alexanderplatz, in dem zwei Verdächtige gearbeitet haben sollen. Dabei wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sichergestellt; Sprengstoff oder Waffen wurden nicht gefunden.

Die Razzien waren eng mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt abgestimmt. Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen hatte erst am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion in Berlin versichert, es bereite ihm "sehr viel Sorge", dass der IS den Flüchtlingsandrang nutzen könne, um "Kämpfer mit Kampfauftrag" nach Deutschland einzuschleusen. Die Terrormiliz wolle damit "einen Machtbeweis erbringen" und den Andrang der Flüchtlinge diskreditieren.

Keine Hinweise auf Anschlagspläne in NRW

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat nach den Durchsuchungen keine Erkenntnisse über eine konkrete Terrorgefahr in dem Bundesland. "Wir haben derzeit keine Hinweise, dass Anschläge in NRW – auch nicht im Zusammenhang mit Karneval – geplant worden sind", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Die Ermittlungen richten sich nach Angaben der Berliner Polizei gegen vier algerische Staatsbürger im Alter zwischen 26 und 49 Jahren. Sie sollen mutmaßliche der islamistischen Szene angehören und eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet haben, wie es in einer Mitteilung der Berliner Polizei heißt.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, im nordrhein-westfälischen Attendorn zusammen mit seiner Frau festgenommen. Er hielt sich dort in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge auf. Die Funke Mediengruppe berichtet, dass er im Herbst 2015 als Flüchtling über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland eingereist und in Bayern als Flüchtling registriert worden war. Nach Informationen des Tagesspiegels hatte er sich mit einem gefälschten Pass als Syrer ausgegeben. Er gilt als Kopf der Gruppe. Nach ersten Hinweisen auf konkrete Anschlagspläne sei der Mann dann in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht worden. Nach Polizeiangaben wird er wegen seiner Zugehörigkeit zum IS auch von algerischen Behörden gesucht. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein.

Ein in Hannover gesuchter Verdächtiger soll Verbindungen in die belgische Islamistenszene haben. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Sicherheitskreise. Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt.