Hans-Olaf Henkel auf einer Pressekonferenz der Alternative für Deutschland (AfD) im April 2014 © Jens Kalaene/dpa

Eine bislang unbekannte Gruppierung namens "AfD Armee Fraktion" (AAF) hat einem Zeitungsbericht zufolge Drohbriefe an sechs ehemalige Mitglieder der AfD versandt, die sich der Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) angeschlossen haben. Wie die Welt am Sonntag berichtet, ging eines der Schreiben an das Ex-Mitglied des AfD-Bundesvorstandes, Hans-Olaf Henkel.

Der 76-jährige Politiker fand demnach im Briefkasten seiner öffentlich nicht bekannten Berliner Adresse einen Brief, in dem er ultimativ aufgefordert wurde, sein Mandat im Europäischen Parlament "an Frauke Petry und ihre Männer" zurückzugeben. "Wie werden uns für jede Stimme rächen, die Du die AfD kostest! Blutig!!! Tod Dir und Deinen Alfa Schwachmaten", zitierte die Zeitung aus dem anonymen Schreiben.

Wegen seiner Überzeugungen sei er bereits seit Jahrzehnten immer wieder angefeindet worden, sagte Henkel dem Blatt. "Aber was ich an innerparteilicher Kritik, an Beleidigungen und Drohungen von den Rechtsaußen aus der AfD erlebte, sprengte alles", sagte er weiter. Er hatte die AfD im vergangenen Juli aus Protest gegen die Wahl Petrys zur neuen Bundesvorsitzenden verlassen und sich später der Alfa-Partei angeschlossen. Der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) blieb aber weiterhin Abgeordneter des Brüsseler Parlaments, in das er im Mai 2014 gewählt worden war.

Ermittlungen konzentrieren sich auf Waiblingen

Ein weiteres Schreiben ging an Bernd Kölmel, einst AfD-Landessprecher von Baden-Württemberg und heutiger Alfa-Vize. Wie Henkel wird Kölmel darin aufgefordert, sein Mandat im Europäischen Parlament niederzulegen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Verpiss Dich mit Deiner Arschloch Partei oder wir räumen auf und bei Deinen Kindern fangen wir an". Unterzeichnet ist das Dokument mit den Worten "Heil Höcke", offensichtlich eine Anspielung auf den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

Alle sechs Schreiben sind nach Angaben der Polizei über das Briefzentrum der baden-württembergischen Stadt Waiblingen nordöstlich von Stuttgart versandt worden. Dort werden auch die Ermittlungen geführt.

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, warnte nach den schlechten Wahlergebnissen ihrer Partei davor, AfD-Wähler und andere Gegner der Flüchtlingspolitik als Rassisten zu bezeichnen. "Wir müssen darüber nachdenken, warum wir den Zugang zu einem erheblichen Teil unserer früheren Wähler verloren haben", sagte Wagenknecht der Welt am Sonntag. "Natürlich darf man nicht pauschal alle Menschen, die sich angesichts hoher Flüchtlingszahlen noch stärker um Arbeitsplätze, Sozialleistungen, Wohnungen und steigende Mieten sorgen, in eine rassistische Ecke stellen", so Wagenknecht weiter. Das gelte auch für Wähler der AfD.