Er hört einfach nicht auf zu wachsen, der blaue Balken. Da stehen die Anhänger der AfD in einem Kongresszentrum im Norden von Magdeburg und trinken und trinken, und feiern und feiern, und jedes Mal, wenn auf den Bildschirmen im Saal neue Hochrechnungen auftauchen, ist der blaue Balken wieder ein Stückchen größer. 21 Prozent! 22 Prozent! 23 Prozent! 24 Prozent! Jedes mal braust Jubel auf, und im Laufe des Abends wird die ungläubige Freude zum Rausch am eigenen Erfolg. "Zugabe, Zugabe" rufen sie, als möchten sie den Balken noch anfeuern.

Drei Landtagswahlen, dreimal zweistellige Ergebnisse: Der Erfolg der AfD ist an diesem Sonntag noch deutlicher ausgefallen als von ihr erhofft und von allen anderen Parteien befürchtet. 12 Prozent in Rheinland-Pfalz, 15 Prozent in Baden-Württemberg, Und über allem thront die AfD in Sachsen-Anhalt mit ihrem Spitzenkandidaten André Poggenburg.

Spitzenkandidat? Oppositionsführer! Poggenburgs Partei ist am Ende dieses Wahlabends sogar näher an Platz eins (CDU) als an Platz drei (Linkspartei).

  • Baden-Württemberg
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt

Übersicht der Ergebnisse

Gewinne und Verluste, Sitzverteilung, mögliche Koalitionen.

"Volkspartei, Volkspartei, Volkspartei", skandieren die Anhänger, "AfD, AfD" tönt aus Dutzenden Kehlen. Kurz nach 21 Uhr erreicht Poggenburg die Wahlparty der AfD. Er nimmt zügig die Stufen zur Bühne, lässt sich beklatschen. Dann ruft er: "Das ist unser Tag!" Für die feiernden Anhänger hat er zwei Botschaften: "Wir haben die Wähler an die Urnen zurückgebracht", ruft er. Die Wahlbeteiligung liegt deutlich höher als zur Landtagswahl 2011. Und dann setzt Poggenburg nach: "Wir sind heute Zeugen der Entstehung einer neuen Volkspartei." Anschließend taucht auch noch Björn Höcke auf, Poggenburgs strategischer Partner aus Thüringen. Beide lassen sich auf der Bühne beklatschen, die Menge jubelt, die Handys filmen. Was für ein Triumph!

Landtagswahlen - "Die AfD ist keine Ost-Partei mehr" Der Wahlerfolg der AfD war absehbar, doch was sind die Folgen für das politische Klima und die Parteienlandschaft?

Es stimmt ja, was Frauke Petry an diesem Abend in Berlin sagt: Die AfD ist mit den heutigen Wahlergebnissen in Westdeutschland angekommen. Bisher hatte sie ihre Wahlerfolge vor allem in ostdeutschen Bundesländern gefeiert. Doch es stimmt auch, dass die Partei weiterhin Schlagseite Richtung Osten hat. Dort ist sie weiterhin doppelt so stark wie im Westen. Im Osten Volkspartei, im Westen auch dabei.

Eindeutig eine Protestwahl

Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass es nicht die Person Poggenburg war, die die Wähler in Sachsen-Anhalt zur AfD getrieben hat, sondern die generelle Unzufriedenheit der Bürger. 77 Prozent der Wähler gaben in einer Umfrage im Auftrag des ZDF an, die AfD hauptsächlich zu wählen, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. In den anderen Ländern ist dieser Wert kaum niedriger.

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Vor der Wahl dachten wir:

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Reuters
Julia Klöckner und die CDU schaffen das.

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Nach der Wahl wissen wir:

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Die Wahl war also eindeutig eine Protestwahl. Das sagen auch die Besucher der Wahlparty in Magdeburg. Das Ergebnis der AfD sei auf Merkels Politik zurückzuführen, sagt an einem der blau gedeckten Stehtische ein 26-Jähriger, Mitglied in der Partei und in der Nachwuchsorganisation Junge Alternative. "Die Bürger sind unzufrieden."