Landtagswahlen - Wie sich die AfD ihren Wahlerfolg erklärt Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zog die AfD mit zweistelligen Ergebnissen in die Parlamente ein. Alle gewählten Parteien schlossen eine Zusammenarbeit mit der Partei aus.

In den vergangenen Wochen und Monaten war es so: Wenn Politiker der AfD auf eine Bühne traten oder vor Mikrofone und Kameras, schimpften sie bald auf die vermeintlich illegale Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, sie beschworen eine Bedrohung Deutschlands durch all die neuen Fremden im Land. Sie gaben sich größte Mühe, das Unbehagen mit und den Widerstand gegen die vielen Asylbewerber in Stimmen bei den Landtagswahlen am gestrigen Sonntag umzuwandeln. Noch am Wahlabend selbst sagte der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland: "Wir haben eine ganz klare Position in der Flüchtlingspolitik: Wir wollen keine Flüchtlinge aufnehmen." Und: "Die Leute, die uns gewählt haben, haben diese Flüchtlingspolitik abgewählt."

Nun ist die Wahl vorbei, die AfD hat triumphiert, und am Tag danach sitzt auf der Bühne im großen Saal der Bundespressekonferenz erstmals die Bundesvorsitzende Frauke Petry – und will nicht über Flüchtlinge reden. Und auch nicht über die Bundeskanzlerin, die AfD-Anhänger noch am Vorabend bei ihrer Berliner Wahlparty mit "Merkel muss weg, Merkel muss weg!"-Rufen bedacht hatten. Frauke Petry sagt stattdessen: "Wir wollen die Partei des sozialen Friedens sein." Schließlich sei man sich ja einig, sagt Petry in Richtung der verdutzten Journalisten, "dass die Gesellschaft nicht erst jetzt, sondern seit Jahren eine Spaltung erlebt".

Nun will also die AfD die Gesellschaft heilen. Sich kümmern. Die Spaltung überbrücken. Jene AfD, deren Vertreter gern mal den "deutschen Widerstand" beschwören, deren Anhänger alle anderen Parteien Volksverräter nennen und die Journalisten Lügenpresse. Die die Ängste vor Ausländern und die Ressentiments der Wähler gleichermaßen streichelt. Ausgerechnet diese AfD will nun einen.

Landtagswahlen - Parteienforscher bezweifelt dauerhaften Höhenflug der AfD Bei der Bundestagswahl 2017 wird die AfD noch Chancen haben in den Bundestag einzuziehen, so der Politikwissenschaftler Gero Neubauer. Jedoch nicht mehr mit einem zweistelligen Ergebnis.

Szenarien aus dem Angstraum

Es ist noch kein Richtungswechsel, den Petry da vollzieht, eher probiert sie einen neuen Ton aus für die nächste Phase der Parteientwicklung. Denn Tag eins nach den Landtagswahlen ist auch Tag eins des Countdowns für die nächsten Wahlen, auch für die auf Bundesebene 2017.

Was genau meint Petry damit? Sie spricht von einer verarmenden Mittelschicht, von finanziell zu sehr belasteten Familien. Themen, mit denen bisher eher die SPD aufgefallen ist. Petry hält es auch für eine Bedrohung des sozialen Friedens, wenn in deutschen Schwimmbädern muslimische Schwimmregeln gelten und sich Polizisten nicht mehr in Stadtviertel trauen, weil es dort zu gefährlich sei. Szenarien, die sich statistisch nicht belegen lassen, die eher aus dem Angstraum kommen, in dem die Partei sich so gern bewegt. "Wir müssen wieder darauf schauen, was machbar und was bezahlbar ist", sagt Petry auch. Mit "linken Linken" wolle sie nichts zu tun haben. Den Sozialstaat will sie bewahren und das Prinzip von Leistung und Wettbewerb stärken.