Wegen "schwerwiegender Verstöße gegen die politische Zielsetzung und die innere Ordnung der Partei" hat der Bundesvorstand der Alternative für Deutschland (AfD) beschlossen, den Landesverband Saarland mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Der bisherige Landesvorstand habe Kontakte zu Personen und Gruppen des äußersten rechten Randes gesucht, sagte AfD-Sprecher Dirk Driesang ZEIT ONLINE zur Begründung. Die Bundesführung befürchtete, die AfD Saar könne durch Rechtsextremisten unterwandert werden.

Der Landesverband reagierte darauf mit Unverständnis und kündigte an, gegen den Beschluss der Bundespartei vor das Bundesschiedsgericht zu ziehen. "Wir sind uns keiner Schuld bewusst", sagte Rolf Müller, Sprecher der  Saar-AfD.

Der stern hatte über die Verbindungen des Landesverbandes zu Neonazis berichtet und damit die Reaktion ausgelöst. Demnach versuchte der saarländische Landesverband, Mitglieder bei der Freien Bürger-Union (FBU) zu gewinnen, die der NPD nahesteht. Es habe mehrere Treffen mit Vertretern der Organisation gegeben, zudem seien Doppelmitgliedschaften diskutiert worden. "Das verstößt gegen die innere Ordnung der Partei", sagte Driesang. Die AfD schließe die Aufnahme auch früherer NPD-Mitglieder kategorisch aus.

Der AfD-Landesvorsitzende Josef Dörr trat laut stern bei einer Veranstaltung der FBU auf. Zudem war der NPD-Landesvorsitzende Peter Marx auf einem AfD-Bürgerforum zu Gast und verlas dabei eine Erklärung. Dörr habe dem Organisator der Versammlung, Miro Welsch (AfD), bedeutet, es sei kein Problem, dass der NPD-Landeschef im Raum sei, sagte Driesang.

Zudem hätten Dörr und sein Stellvertreter Lutz Hecker Kontakt zu der in der Region bekannten rechtsextremen Aktivistin Ulrike Reinhardt aufgenommen, berichtete der stern. Mehrere auch mit ihr in Verbindung stehende Neonazis nahmen demnach an mindestens einer Demonstration der AfD teil.

Landesvorstand wies Vorwürfe zurück

Der Bundesvorstand der AfD erfuhr bereits vor einigen Wochen von den Vorfällen und konfrontierte den Landesvorstand damit. Dieser habe die Vorwürfe bestritten. Erst die stern-Recherchen hätten gezeigt, dass die Landesverbandsführung den Bundesvorstand belogen habe, sagte Driesang.

In einer Stellungnahme teilt die Partei nun mit, dass nach der Neubewertung keine andere Möglichkeit bestehe als die Auflösung des Landesverbandes Saarland. Einzelne Mitglieder auszuschließen oder den Vorstand abzusetzen, reichte als Maßnahme demnach nicht aus. Der Bundesvorstand glaubte nicht an eine Lösung innerhalb des Landesverbandes. Der Bundesvorstand erwog zunächst, den Landesvorstand absetzen zu lassen. Dann aber entschied er sich für das scharfe Mittel der Auflösung. Der Einfluss von Herrn Dörr sei so groß gewesen, dass der Versuch einer Abwahl wohl gescheitert wäre, sagte Driesang.

Landtagswahlen - Soll man die AfD ausgrenzen? Jetzt sitzt die AfD also in drei weiteren Landtagen. Andere Parteien dürften sie nicht länger ignorieren, sagen viele. Wirklich nicht?

Kommissarische Führung soll übernehmen

"Der Landesverband hat ein Eigenleben entwickelt, das der Partei keineswegs zuträglich war", sagte ein Parteimitglied ZEIT ONLINE. Die AfD will nun kommissarisch zwei Verwalter einsetzen, die Mitglieder der Partei seien. Damit soll vermieden werden, dass zu viele der derzeit 270 Mitglieder im Landesverband verloren gehen. Man wolle sich für die Neugründung "einen Moment Zeit nehmen". Es sei davon auszugehen, dass keine der jetzigen Führungsmitglieder künftig ähnliche Positionen in einem neuen Landesverband Saarland übernehmen werde.

Sämtliche Gremien des Landesverbandes Saarland sind aufgelöst, zum Beispiel das Schiedsgericht. Auch die Satzung ist außer Kraft gesetzt, die Mitglieder verbleiben allerdings in der Bundespartei.

Die Partei versucht sich trotz der nationalistischen Rhetorik einiger ihrer Funktionäre von rechtsextremistischen Gruppen abzugrenzen. Im Vorfeld der Landtagswahl wehrte sich die AfD gegen Vereinnahmung durch die NPD, die eine strategische Zusammenarbeit angeboten hatte. NPD-Wähler sollten den AfD-Kandidaten die Erststimme geben.