Bei den Landtagswahlen am 13. März konnte die AfD in allen drei Bundesländern zweistellige Ergebnisse erzielen. In Sachsen-Anhalt wurde sie zweitstärkste Kraft. © John MacDougall/AFP/Getty Images

Die AfD hat seit der Abspaltung des Flügels um Gründungsmitglied Bernd Lucke mehr einkommensschwache Anhänger dazugewonnen. "Wir beobachten eine zunehmende Mobilisierung sozial prekärer Gruppen", sagte der Wahlforscher Roberto Heinrich von Infratest dimap. Ein Grund dafür könne sein, dass sich die 2013 gegründete Partei heute stärker sozialen Themen widme als in ihrer Anfangsphase.

Auch stünden die früher dominierenden "neoliberalen Elemente" in der Programmatik der Partei jetzt nicht mehr so stark im Vordergrund. Die AfD sei heute nicht mehr die "Partei der Professoren", als die sie zu Beginn von vielen Wählern wahrgenommen worden sei. "Auf jeden Fall hat die AfD diesmal stärker in einem Revier der Linkspartei gewildert als noch bei der Landtagswahl in Brandenburg 2014", sagte Heinrich mit Blick auf die Landtagswahlen am 13. März.

Die Alternative für Deutschland hatte bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg unter den Arbeitslosen von allen Parteien den größten Stimmenanteil erreicht (32 Prozent). Für CDU und Grüne votierten jeweils 20 Prozent der arbeitslosen Wähler. In Sachsen-Anhalt, wo der Anteil der Erwerbslosen höher ist als im Südwesten, erhielt die AfD 38 Prozent der Stimmen der Arbeitslosen. Die Linkspartei wurde nur von 16 Prozent der Arbeitslosen gewählt. Etwas anders sah es nur in Rheinland-Pfalz aus. Hier wählten laut Infratest dimap 28,5 Prozent der Arbeitslosen die SPD. 27 Prozent von ihnen gaben ihre Stimme der AfD.

Der Wahlerfolg bei Arbeitslosen überrascht auch angesichts des neuen Parteiprogramms, das die AfD am 30. April in Stuttgart beschließen will. Der Programmentwurf, den das Recherchezentrum Correctiv veröffentlicht hat, enthält unter anderem den Vorschlag, das Arbeitslosengeld zu privatisieren. Private Versicherer sollen diese Leistung für jene anbieten, die sie sich leisten wollen und können. Das Gleiche solle bei Arbeitsunfällen gelten. Auch das könnten private Versicherungen übernehmen, fordert die AfD.

AfD will auch in NRW zweistellig werden

Für die Landtagswahl im kommenden Jahr in Nordrhein-Westfalen strebt der AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell ein zweistelliges Ergebnis an. Er stehe für die Landtagswahl im bevölkerungsreichsten Bundesland im Mai 2017 als Spitzenkandidat bereit, sagte er. "Alles Weitere obliegt der Entscheidung eines AfD-NRW-Landesparteitags." Pretzell ist aufgrund der Äußerung umstritten, Schusswaffengebrauch gegen flüchtende Menschen an der Grenze sei als Ultima Ratio gerechtfertigt. Der mit etwa 4.000 Mitgliedern stärkste Landesverband hatte durch interne Querelen und Machtkämpfe im Vorstand Schlagzeilen gemacht. Aktuelle Umfragen sehen die NRW-AfD bei zehn Prozent.

Die AfD hatte in ihren letzten Wahlkämpfen vor allem gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gewettert. Die Partei wird eher von Männern als von Frauen gewählt. Und obwohl sie viele ältere Männer in Führungspositionen hat, sind die Wähler der AfD im Schnitt jung. Bei allen Landtagswahlen, an denen sie teilnahm, erzielte die AfD unter den Rentnern deutlich schlechtere Ergebnisse als in der Gesamtbevölkerung.

Bei den Älteren sei die Parteibindung generell stärker, weshalb es neue Parteien in dieser Wählergruppe schwer hätten, sagte Heinrich. Mit Blick auf die rechtsnationalen Slogans einiger AfD-Politiker spielten bei den Älteren womöglich auch noch Erinnerungen eine Rolle. "Es kann sein, dass hier auch der Schatten des Krieges noch wirksamer ist", sagte Heinrich.

Landtagswahlen - Soll man die AfD ausgrenzen? Jetzt sitzt die AfD also in drei weiteren Landtagen. Andere Parteien dürften sie nicht länger ignorieren, sagen viele. Wirklich nicht?