Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.l.) mit den CDU-Spitzenkandidaten der Landtagswahlen, Guido Wolf (Baden-Württemberg, 2.v.r.), Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz, l.) und Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt, r.) in Berlin © Michael Kappeler/dpa

Vieles ist über diesen 14. März im Vorfeld gemutmaßt worden, den Tag nach den Landtagswahlen in gleich drei Bundesländern. Diese seien auch eine Abstimmung über Merkels Flüchtlingspolitik, hieß es. Wenn die CDU verliere, dann werde Merkel um ihre Macht fürchten, zumindest aber ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik korrigieren müssen.

Nun hat die CDU tatsächlich dramatisch verloren. In Baden-Württemberg ist sie hinter den Grünen zurückgeblieben. In Rheinland-Pfalz wurde die Hoffnungsträgerin der Partei, Julia Klöckner, demontiert. Nur in Sachsen-Anhalt gibt es einen kleinen Lichtblick. Der bisherige CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff wird im Amt blieben, auch wenn er dafür einen neuen Koalitionspartner braucht.

Ist jetzt also der Tag der Abrechnung gekommen? CSU-Chef Horst Seehofer jedenfalls gibt sich alle Mühe, den Montag zu einem solchen zu machen. "Diese Wahlergebnisse sind ein politisches Erdbeben", grollt er aus München. Nur ein Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik könne verhindern, dass aus dem "Sinkflug ein Absturz" werde, warnt er und kündigt an, die CSU werde ihren bisherigen "Protest light" verschärfen.

Landtagswahlen - "Die Union steht unter einer gewaltigen Belastungsprobe" Der zentrale Grund für die Verluste der CDU bei den Landtagswahlen sei die Flüchtlingspolitik, sagte CSU-Chef Horst Seehofer.

"Schwerer Tag"

Die Frau, die das alles betrifft, gibt sich gleichwohl relativ ungerührt. Als Merkel am Mittag mit den drei CDU-Spitzenkandidaten vor die Presse tritt, räumt sie zwar ein, dass dies ein "schwerer Tag für die Christlich Demokratische Union" sei. Natürlich habe die Flüchtlingsfrage eine dominierende Rolle in den Wahlkämpfen gespielt. "In den Augen der Menschen ist dieses Thema noch keiner abschließenden Lösung zugeführt", sagt sie im besten Merkel-Sprech.

Doch eine Änderung ihrer Flüchtlingspolitik? Fehlanzeige. "Vom Grundsatz her werde ich meine Politik so weiterverfolgen, wie ich es bisher getan habe", kündigt sie stattdessen an. Anders als Seehofer sieht sie im Aufstieg der AfD zwar ein Problem, aber keine existenzielle Gefahr für die Union. Dass die Rechtspopulisten nun so stark geworden seien, habe auch mit den Ereignissen der Silvesternacht zu tun, die die ohnehin vorhandenen Ängste vieler Menschen vor dem Islam noch befeuert hätten, glaubt Merkel.

Den Vorwurf, sie sei für die schlechten Wahlergebnisse verantwortlich, spielt die Kanzlerin kühl an Seehofer zurück. "Diese Differenzen sind für die Wähler der Union schwer auszuhalten", sagt sie mit Blick auf Seehofers Dauerkritik an ihrer Flüchtlingspolitik.

Landtagswahlen - Merkel: AfD-Erfolg kein existenzielles Problem für CDU Man müsse sich nun inhaltlich mit der AfD auseinandersetzen, so die CDU-Chefin. Einen Kurswechsel in der Flüchtlingsfrage schließt sie dabei jedoch aus.

Kretschmann und Dreyer als Kronzeugen

Merkels Getreue haben zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon eine andere Lesart der Wahlergebnisse unters Volk gebracht. Der Sieg von Politikern wie dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und der SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeige doch gerade, dass es eine breite Zustimmung zu Merkels Flüchtlingspolitik gebe, sagt zum Beispiel CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Schließlich hätten die sich geradezu einen Wettbewerb darum geliefert, wer Merkel besser unterstütze.

Und der baden-württembergische Landesvorsitzende Thomas Strobl antwortet auf die Frage, was denn das Geheimnis von Kretschmanns Erfolg gewesen sei: "Dass er für Merkel gebetet hat." Das kann man auch als unterschwellige Kritik am baden-württembergischen Spitzenkandidaten Guido Wolf verstehen, der sich genau wie Klöckner im Wahlkampf mit eigenen, nationalen Vorschlägen von Merkels europäischer Flüchtlingspolitik distanziert hatte, auch wenn er jetzt behauptet, dies sei geschehen, um die langfristige Akzeptanz für die von Merkel geplante europäische Lösung zu erhalten.