Nach der historischen Wahlniederlage der CDU in Baden-Württemberg gerät der Spitzenkandidat, Fraktionschef Guido Wolf, in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Neben Rücktrittsforderungen gibt es in der Partei auch Widerstand gegen Wolfs Ankündigung, die CDU als Verhandlungsführer in möglichen Koalitionsgesprächen mit dem Wahlsieger Grüne unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu vertreten.

Der Landeschef der CDU-Sozialausschüsse, Christian Bäumler, zeigte sich irritiert von Wolfs Ankündigung in einem Newsletter der CDU-Landtagsfraktion vom Wochenende. "Niemand hat Guido Wolf zum Verhandlungsführer ernannt", sagte Bäumler. "Der CDU-Landesvorstand hat eine achtköpfige Sondierungskommission berufen, der auch Wolf angehört und die vom CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl geleitet wird."

Auch Strobl selbst wies seinen Parteifreund Wolf in die Schranken und erklärte sich per Interview selbst zum Verhandlungsführer. "Über mögliche Koalitionen verhandeln Parteien", sagte er der Welt. Als Landesvorsitzender der CDU sei er mit 98 Prozent der Stimmen gewählt worden, bekräftigte er seinen Status und fügte mit Blick auf Wolf hinzu: "Der Fraktionsvorsitzende ist eng eingebunden."

"Die Menschen wollen Kretschmann"

Die CDU will an diesem Dienstag in ihrer Landtagsfraktion und im Landesvorstand darüber diskutieren, ob es Sinn ergibt, mit den Grünen über die Bildung der bundesweit ersten grün-schwarzen Landesregierung zu sprechen. Bei der Landtagswahl am 13. März war die CDU erstmals seit Jahrzehnten nicht stärkste Partei geworden.

"Am Ergebnis der Landtagswahl gibt es nichts schönzureden", sagte Strobl. "Es war kein schlechtes, sondern mit einem Verlust von zwölf Prozentpunkten ein sehr schlechtes Wahlergebnis." Umso erstaunter sind viele in der baden-württembergischen CDU über das Selbstvbewusstsein ihres alten und neuen Fraktionschefs. Der Spitzenkandidat sei "verbrannt", sagte der Kreisverbandsvorsitzende des Neckar-Odenwalds, Ehrenfried Scheuermann, den Stuttgarter Nachrichten. "Da geht nichts mehr, deshalb muss er jetzt die Konsequenzen ziehen und zurücktreten." Die Junge Union Nordbaden teilte ebenfalls mit: "Für die CDU im Land muss jetzt ein neues Zeitalter beginnen. Ein Neuanfang geht für die CDU Baden-Württemberg aber nur ohne Guido Wolf."

Auf Unverständnis stieß auch Wolfs Plan, zusammen mit der SPD und der FDP eine sogenannte Deutschlandkoalition zu bilden – die einzige Möglichkeit für ihn, doch noch Regierungschef zu werden. Dieser Option erteilte die SPD nun erneut ihre definitive Absage. Nach einem gemeinsamen Gespräch sagte SPD-Landeschef Nils Schmid am Samstag in Stuttgart: "Die Menschen in Baden-Württemberg wollen Winfried Kretschmann als Ministerpräsidenten und nicht Herrn Wolf oder jemand anderes von der CDU."