Flüchtlinge warten vor einem Schiff im Hafen der griechischen Insel Lesbos. © Alexia Angelopoulou/dpa

Nach Inkrafttreten des Abkommens zwischen Europäischer Union (EU) und Türkei sprechen sich führende Politiker von CDU und CSU gegen einen Alleingang Deutschlands bei der Flüchtlingsaufnahme aus. CDU-Vizechef Thomas Strobl sagte einem Vorabbericht der Zeitung Die Welt (Montagausgabe) zufolge, dies sei nicht nur Aufgabe Deutschlands. "Das ist eine europäische Herausforderung, und deshalb muss es eine europäische Antwort geben", mahnte Strobl. "Einen Alleingang Deutschlands in der Kontingentfrage schließe ich aus."

Dank der Vereinbarung mit der Türkei werde auch die Zustimmung der Bevölkerung zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder steigen, wird Strobl zitiert: "Wir haben eine spürbare und nachhaltige Reduzierung der Flüchtlingszahlen versprochen, und das liefern wir jetzt."

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte der Passauer Neuen Presse (Montagausgabe), die aus der Türkei kommenden Flüchtlinge müssten gerecht auf alle EU-Mitgliedstaaten verteilt werden. "Hier dürfen sich die Nationalstaaten nicht aus der Verantwortung stehlen", sagte sie.

Altmaier: Türkei-Pakt "wichtigster Schritt zur Lösung der Krise"

Das Abkommen zwischen Türkei und EU sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die ab dem vergangenen Sonntag in Griechenland ankommen, in die Türkei zurückgeschickt werden, nachdem sie registriert und ihre Asylanträge aufgenommen sind. Im Gegenzug hat die EU zugesagt, syrische Geflüchtete direkt aus der Türkei zu übernehmen.

Auch Kanzleramtschef Peter Altmaier wertete die Vereinbarung mit Ankara als "große Chance", das Ziel niedrigerer Flüchtlingszahlen auch tatsächlich zu erreichen. "Damit erledigt sich der Ruf nach Obergrenzen von selbst", sagte der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung der Rheinischen Post (Montag). Der Pakt der EU mit der Türkei sei "der bislang größte und wichtigste Schritt zur Lösung der Flüchtlingskrise".