Kanzlerin Angela Merkel nach ihrem Gespräch mit dem kroatischen Premier © Fabrizio Bensch/Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine direkte Aufnahme von Flüchtlingen durch Deutschland wie im vergangenen Jahr ab. Die "Politik des Durchwinkens" sei vorbei. Die Lage an der mazedonischen-griechischen Grenze sei nicht mit der Situation in Ungarn im September zu vergleichen. Damals hatte die Kanzlerin die Aufnahme der in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge zugesagt, in der Folge kamen Hunderttausende Menschen in Deutschland an.

Heute dagegen forderte Merkel, dass die Flüchtlinge die Aufnahmezentren in Griechenland nutzen sollten. Auch das Schengen-Land Griechenland und nicht nur Mazedonien müsse seine Grenzen schützen. Dann könne man in der EU die vereinbarten 160.000 Flüchtlinge verteilen, die in den EU-Staaten mit Außengrenzen ankämen. "Es gibt eben nicht ein Recht, dass ein Flüchtling sagen kann, ich will in einem bestimmten Land der EU Asyl bekommen", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem kroatischen Ministerpräsidenten Tihomir Orešković.

Auf dem EU-Gipfel war beschlossen worden, Flüchtlinge nicht mehr durchzuwinken und das Schengen-System ohne Grenzkontrollen schrittweise wiederherzustellen.

Flüchtlingskrise - Lage an griechisch-mazedonischer Grenze weiter schlecht Tausende Flüchtlinge harren an der Grenze bei Idomeni aus. Mehrere Staaten, darunter Mazedonien und Österreich, lassen nur noch eine begrenzte Zahl von Flüchtlingen pro Tag nach Norden.

Mehrere Balkanländer lassen seit geraumer Zeit nur noch wenige Flüchtlinge weiter Richtung Mitteleuropa reisen. An der mazedonisch-griechischen Grenze sitzen deswegen Tausende Flüchtlinge fest. Die Versorgung der Menschen dort ist sehr schlecht.

Neue Flüchtlingsrouten erwartet

Die Situation zeige, dass einseitiges Vorgehen nicht weiterhelfe, sagte Merkel. Alle 28 EU-Mitgliedstaaten müssten zusammen Beschlüsse fassen, "damit wir genau sehen, was bedeutet das für jedes Mitgliedsland". Die Kanzlerin warnte andernfalls auch vor "neuen Routen der Fluchtbewegung" und weiteren Destabilisierungen.

Zur Vorbereitung des EU-Sondergipfels mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu am Montag kommender Woche fliegt Merkel am Freitag nach Paris, um sich mit dem französischen Präsidenten François Hollande zu besprechen. Merkel sagte, sie erwarte auf dem Sondergipfel keine endgültige Lösung, aber "Schritte in die richtige Richtung".

Von der Türkei erhofft sich Merkel mehr Unterstützung bei der Sicherung der EU-Außengrenzen sowie die Bereitschaft, vorwiegend aus Syrien stammende Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen. Bereits Ende 2015 hatte die EU der Regierung in Ankara dafür drei Milliarden Euro zugesagt, das Geld ist aber bisher noch nicht ausgezahlt worden.