Politiker aller Parteien im Bundestag haben sich bestürzt über den Tod von Guido Westerwelle gezeigt. Der ehemalige Außenminister und FDP-Vorsitzende ist im Alter von 54 Jahren an Leukämie gestorben.

FDP-Chef Christian Lindner twitterte, ihm fehlten die Worte. "Er hat als liberaler Politiker eine ganze Generation inspiriert oder herausgefordert. Er hat niemanden geschont, wie er selbst nie geschont worden ist", sagte der FDP-Vorsitzende über Westerwelle später. "Guido hat die Freiheit geliebt – deshalb hat er für die Idee der Freiheit gekämpft. Guido hat das Leben geliebt – deshalb hat er um seines gekämpft." Westerwelle hatte einen klaren politischen Kompass, sagte Lindner. Er sei ein überzeugter Marktwirtschaftler und ein Verteidiger einer toleranten, offenen Gesellschaft sowie ein überzeugter Europäer gewesen. "Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Nordafrika – das war ihm ein persönliches Anliegen, auch über seine Zeit als Außenminister hinaus." Gerade jetzt hätte die Demokratie solche Leute gebraucht.

Westerwelles Tod erschüttere sie tief, sagte die sichtlich berührte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einer Pressekonferenz im Anschluss an den EU-Gipfel in Brüssel. Ihre Gedanken seien bei seiner Familie, insbesondere Westerwelles Mann Michael Mronz, mit dem sie erst kürzlich gesprochen habe. Merkel bezeichnete Westerwelle als sehr erfolgreichen Politiker und Außenminister sowie "einen der besten Redner, die der Bundestag erlebt hat". Merkel habe Westerwelle als empfindsamen, verlässlichen, treuen und nachdenklichen Menschen erlebt. "Für die liberale Bewegung, für die Politik in Deutschland und für mich persönlich ist das ein richtig trauriger Tag. Sie sei persönlich sehr dankbar für Gespräche mit ihm auch nach seinem Abschied aus der Politik. "Es ist schwer zu akzeptieren, dass er nicht mehr unter uns ist."

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) äußerte sich ebenfalls "tief erschüttert". "Er war eine große politische Begabung und ein herzensguter Mensch. Mit ihm wird unvergessen bleiben das Wahlergebnis der FDP aus dem Jahr 2009", hieß es in einer Erklärung seines Büros. Genscher habe Westerwelles Weg von Anfang an beobachten und begleiten dürfen.

Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Westerwelles Mann Michael Mronz. "Mit Guido Westerwelle verliert unser Land einen leidenschaftlichen politischen Menschen", schrieb Bundespräsident Joachim Gauck. Westerwelle habe sich in seiner Zeit als Außenminister für den Zusammenhalt Europas eingesetzt. "Alle, die ihn kannten, werden ihn vermissen."

Großer Kämpfer für die liberale Sache.
Volker Kauder


Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, äußerte sich betroffen über den Tod seines Freundes Westerwelle. "Er war ein großer Kämpfer für die liberale Sache. Wir werden Guido Westerwelle vermissen."

CDU-Generalsekretär Peter Tauber schrieb über Westerwelle: "Leidenschaftlich, kompetent und überzeugungsstark stritt er für die liberale Sache." In den zurückliegenden Jahren habe er sich mit seiner Stiftung weltweit für die demokratische Entwicklung eingesetzt. "Bis zuletzt kämpfte er tapfer gegen seine schwere Krankheit. Diesen Kampf hat er nun verloren, aber durch seinen offenen Umgang damit vielen erkrankten Menschen Mut gemacht und Kraft gegeben."

"Die Nachricht vom Tod Guido Westerwelles ist sehr, sehr bitter und erfüllt mich mit tiefer Trauer", schrieb Innenminister Thomas de Maizière (CDU). "Guido Westerwelle war ein besonders liebenswürdiger, zuvorkommender und selbstkritischer Mensch." Er habe sich in unterschiedlichen Funktionen große Verdienste für seine Partei und für das gesamte Land erworben. "Mein Beileid gilt in diesen Stunden dem Lebenspartner und den Angehörigen des Verstorbenen."

Jemand, der sich nie wegduckt und auch in schwierigen Zeiten seine Überzeugungen aufrecht vertreten hat.
Frank-Walter Steinmeier

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete Westerwelle als aufrechten Demokraten, der "viel zu früh von uns gegangen" sei. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bedauerte,  Deutschland habe einen großen Liberalen verloren.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte Westerwelle in dessen Bemühen um ein friedliches und ziviles Deutschland einen wahren Patrioten. "Wir haben heute einen Menschen verloren, der unser Land eine ganze Generation lang als Parteivorsitzender der FDP, als Oppositionsführer und dann als Außenminister geprägt hat", sagte Steinmeier. "Guido Westerwelle war Vollblutpolitiker. Jemand, der sich nie wegduckt und auch in schwierigen Zeiten seine Überzeugungen aufrecht vertreten hat." Der Außenminister verwies darauf, dass er mit Westerwelle "nicht immer einer Meinung" gewesen sei. "Aber wir konnten uns immer aufeinander verlassen."

US-Außenminister John Kerry sagte, er habe die enge und kollegiale Zusammenarbeit mit Westerwelle sehr geschätzt. "Guido war ein starker Verfechter von Demokratie und Menschenrechten, der seine Stimme gegen willkürliche Verhaftungen erhoben hat, syrische Flüchtlinge im Camp Zaatari besucht hat und sich auf dem Maidan in Kiew mit ukrainischen Demonstranten getroffen hat", sagte Kerry am Freitagabend (Ortszeit) in Washington. Seine Stimme werde fehlen.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zeigte sich "tief traurig" über den Tod des ehemaligen Außenministers. "Mit ihm verliert die FDP eine prägende Figur." Schulz’ Gedanken seien "bei seinem Mann, Familie und Freunden."

Westerwelle sei viel zu jung aus dem Leben gerissen worden, schrieb die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter. Sie sei in Gedanken bei Westerwelles Angehörigen. "Der viel zu frühe Tod von Guido Westerwelle ist erschütternd", schrieb auch Grünen-Politikerin Renate Künast. Ihre Anteilnahme gelte seinem Mann und seiner Familie. Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckhardt, drückten ihre Trauer aus und schrieben: "Deutschland verliert einen herausragenden Politiker, der streitbar liberal war. In Debatten präsent und scharfzüngig hat er im Bundestag für seine Positionen gestritten. Und damit das Parlament als Ort gestärkt, an dem Politik leidenschaftlich verhandelt wird." Sie hoben Westerwelles Engagement im Arabischen Frühling hervor.

Der Vorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger, drückte Westerwelle seinen Respekt aus für seine klare Haltung, als Außenminister Deutschland nicht in den Libyen-Krieg zu verwickeln. "Als politischer Gegner war er angriffslustig, aber immer sachlich. Ich habe Guido Westerwelle als fröhlichen, lebensbejahenden Kämpfer wahrgenommen, der mutig mit seiner Erkrankung umging", schrieb Riexinger.

CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnente Westerwelle als "glühenden Anwalt der Freiheit, der sozialen Marktwirtschaft und der Bürgerrechte". Er sei tief betroffen vom Krebstod des ehemaligen FDP-Vorsitzenden. "Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten war er ein Meister der gepflegten Debattenkultur."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schrieb: "Er war ein großer Kämpfer, aber er hat den Kampf verloren." Die Bürgermeisterin von Westerwelles Heimatstadt, Henriette Reker, schrieb: "Köln trauert um einen aufrechten Demokraten und hochgeschätzten Mitbürger. Unser ganzes Mitgefühl gilt seinem Mann und seiner Familie."