CSU-Chef Horst Seehofer hat seine Partei nach tagelangen Diskussionen und Personalspekulationen in ungewöhnlich deutlicher Form zur Ordnung gerufen. Die Debatte um seine Nachfolge als bayrischer Ministerpräsident sei eine "Gespensterdiskussion". Sie führe in Kombination mit der Flüchtlingskrise dazu, dass die CSU in Bayern derzeit nicht besser bewertet werde.

"Dieses Quatschi, Quatschi, Quatschi, jeder weiß was, jeder redet", sagte Seehofer, das sei das einzige echte Problem der CSU. Allerdings handle es sich dabei auch um ein Phänomen, das seinen "Gefühlshaushalt" nicht aufwühle.

Ohne sie namentlich zu nennen, kritisierte Seehofer Finanzminister Markus Söder und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. "Ich möchte, dass wir vertrauensvoll im Kabinett zusammenarbeiten, und da gehört kollegiales Verhalten dazu", sagte er mit Blick auf Söder, der in der vergangenen Woche mit einer eigenen Pressekonferenz zum Stromtrassenbau seine Kabinettskollegin Aigner düpiert hatte. Wenn es Punkte gebe, wo die Kollegialität nicht erfüllt sei, dann müsse man darüber reden. "Die Themen, die da eine Rolle spielen, die bespreche ich dort, wo es hingehört, und nicht in der Öffentlichkeit. So einfach ist das."

Aigner wiederum kritisierte Seehofer für ihre Äußerungen im Münchner Merkur. "Nach außen wirkt das wie ein Konflikt zwischen zwei Machtmenschen", hatte Aigner die Beziehung zwischen Seehofer und Söder beschrieben. Seehofer sagte dazu, er brauche keine Ermahnungen "von irgendwelchen Mitgliedern der Staatsregierung".

"Wie ein Hühnerhaufen"

Einen Spiegel-Bericht vom Wochenende, wonach er mit einer vorgezogenen Parteivorsitzendenwahl versuchen wolle, Söders Aufstieg zu verhindern, wies Seehofer zurück. Wenn Parteikreise sich gegenüber dem Magazin derart geäußert hätten, dann sei das "einfach kein strategisches Niveau". Er habe nie geplant und plane auch nicht, die Parteivorsitzendenwahl vorzuziehen. Das sei "politisch sinnlos und rechtlich unmöglich". Die Meldung hatte in der CSU für große Irritationen gesorgt. Dazu sagte Seehofer, es sei betrüblich, wenn sich eine Truppe "wie ein Hühnerhaufen" durcheinander wirbeln lasse.

Allerdings war es in der Vergangenheit oftmals Seehofer selbst, der etwa mit Interviews die Debatte um seine Nachfolge auf die Agenda gebracht hatte. Erst kürzlich wurden weitere Spekulationen kolportiert: dass Seehofer den einstigen Überflieger Karl-Theodor zu Guttenberg als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewinnen wolle. Oder dass Seehofer selbst – entgegen seiner Ankündigung – 2018 doch noch einmal als Regierungschef antreten wolle. Seehofer sagte dazu, es sei bisher noch überhaupt nicht über Personalien gesprochen worden. "Ich habe nicht den geringsten Konflikt in den letzten Tagen ausgelöst."