Der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) sind offenbar zahlreiche hochbrisante Dokumente abhanden gekommen, die Schlüsse über ausländische Freiwillige zulassen, die die Organisation unterstützen, darunter auch deutsche Kämpfer. Dabei handelt es sich um Protokolle von Befragungen, die direkt nach der Einreise in die vom IS beherrschten Gebiete in Syrien mit den ausländischen Rekruten durchgeführt wurden, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und dem WDR lägen mehrere Dutzend solcher Papiere vor, heißt es weiter. Insgesamt umfasse das Datenleck Tausende solcher Personalbögen, die nun in Teilen verschiedenen Sicherheitsbehörden bekannt seien. Das Bundeskriminalamt hält die Dokumente für echt.


Jeder IS-Freiwillige muss demnach bei seiner Einreise 23 Fragen beantworten. Neben Name, Kampfname und vorherigem Wohnort werden auch Informationen zu Schleusern, Angehörigen, Bürgen, religiöser Bildung und Dschihad-Erfahrung abgefragt. Außerdem können die IS-Anhänger angeben, ob sie lieber als Kämpfer oder als Selbstmordattentäter eingesetzt werden wollen. Besonders interessiert sich der IS für Spezialkenntnisse: "Wichtig. Hat chemische Kenntnisse", wurde beispielsweise bei einem Chemie-Studenten aus München notiert.

Für die deutschen Behörden dürfte besonders interessant sein, welche deutschen Staatsbürger beim IS etwas zu sagen haben und wer für neu einreisende Kämpfer bürgt. Die Papiere könnten in Zukunft auch in Prozessen gegen IS-Rückkehrer eine wichtige Rolle spielen. Bisher war die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oft nicht nachweisbar. Das könnte sich nun ändern. In den Dokumenten finden sich beispielsweise Namen von Syrien-Rückkehrern, die bisher abgestritten haben, beim IS gewesen zu sein.