Es ist ein wichtiger Auftritt für beide und zumindest am Anfang sieht man ihnen die Anspannung deutlich an: Leicht nach vorne geneigt sitzen sie da auf ihren Stühlen im Fernsehstudio in Mainz, die Hände ordentlich übereinander gelegt, um kontrollierte Freundlichkeit bemüht.

Am Dienstagabend trafen die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), und ihre Herausforderin Julia Klöckner im Fernsehduell aufeinander. Ein historisches Ereignis, wie Moderator Fritz Frey gleich zu Anfang betonte. Schließlich ist es das erste Mal, dass in einem Bundesland zwei Frauen um die Macht kämpfen.


Lange Zeit schien bei dieser Auseinandersetzung die Siegerin festzustehen. Noch im vergangenen November lag die CDU in den Umfragen bei 41 Prozent, die SPD nur bei 30. Doch dann kam die Flüchtlingskrise und der Vorsprung der CDU schmolz auf zwei bis vier Prozentpunkte zusammen. Die SPD kann nun wieder hoffen, die hohe Beliebtheit ihrer Ministerpräsidentin vielleicht doch noch in Prozentpunkte für die Partei zu verwandeln. Ein Fernsehduell kann da sehr entscheidend sein.

Die Flüchtlingskrise ist dann natürlich auch eines der Hauptthemen, um die es an diesem Abend geht. Klöckner hat in dieser Hinsicht in den vergangenen Wochen einen Kurs der loyalen Distanzierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versucht. Einerseits beteuert sie stets, deren europäischen Lösungsansatz zu unterstützen, anderseits lud sie Merkels schärfsten Kritiker, den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) zum Wahlkampf ein und forderte nationale Maßnahmen wie Tageskontingente für Flüchtlinge, die Merkel ablehnt.


Dreyer versucht aus dieser Konstellation Gewinn zu ziehen und Klöckner in Sachen Merkel-Nähe auszustechen. "Ich stehe deutlicher hinter der Kanzlerin als Sie, liebe Frau Klöckner", sagt Dreyer. Denn die habe einfach recht. "Und Sie fallen ihr in den Rücken", wirft sie der CDU-Kandidatin vor. Offenbar nimmt sich Dreyer ein Beispiel am Grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Auch der setzt im Wahlkampf auf offensive Merkel-Unterstützung, um so vielleicht ein paar CDU-Wähler abzuwerben. Das kann Klöckner natürlich nicht auf sich sitzen lassen. "Ich stehe an der Seite von Merkel", versichert sie.

"Sie sprechen ja häufig als Vize"

Doch auch Klöckner beherrscht die Kunst, die Partei der Konkurrentin zum Kronzeugen ihrer Politik zu machen. Sie freue sich, dass nun auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und SPD-Chef Sigmar Gabriel ihren Vorschlag für ein Integrationspflichtgesetz unterstützten, kontert sie. Im vergangenen November hatte Klöckner sich dafür stark gemacht, Geflüchtete eine Integrationsvereinbarung unterschreiben zu lassen und Sanktionen zu verhängen, wenn dagegen verstoßen wird. Später hatte der CDU-Parteitag einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Dass Klöckner in der Bundespolitik sehr viel präsenter ist als Dreyer ist einer der Vorteile, von denen sie im Wahlkampf zu profitieren hofft. Schließlich gehört sie zu Merkels Stellvertretern und wird mittlerweile sogar als mögliche Kanzlernachfolgerin gehandelt. Doch Dreyer versteht es, diese vermeintliche Stärke in eine zumindest landespolitische Schwäche umzudeuten. "Sie sprechen ja häufig als Vize, ich stehe dafür, dass wir in Rheinland-Pfalz gut miteinander leben", sagt sie.

Gepunktet haben dürfte Klöckner im Wahlkampf dagegen mit ihrer Haltung zur rechtspopulistischen AfD, die in Rheinland-Pfalz mittlerweile bei neun Prozent liegt, obwohl sie ohne jede Parteiprominenz auskommen muss. 61 Prozent fanden es einer Umfrage zufolge falsch, dass Dreyer sich einer Debatte mit deren Spitzenvertretern verweigerte – anders als die CDU-Herausforderin. Im TV-Duell verteidigt Dreyer diese Haltung aber natürlich: Man dürfe Rechtspopulisten kein Forum geben.