Debatte im SWR mit Jochen Bülow (Die Linke), Eveline Lemke (Bündnis 90/Die Grünen), Roger Lewentz (SPD), Julia Klöckner (CDU), Volker Wissing (FDP) und Uwe Junge (AfD) © Andreas Arnold/dpa

Julia Klöckner hat ihr strahlendes Lächeln aufgesetzt, das muss jetzt sein, wo die Kamera sie doch gerade in Großaufnahme zeigt. Ob die rheinlandpfälzische CDU-Vorsitzende und Spitzenkandidatin für die Wahl am 13. März in diesem Moment schon die Ergebnisse der neuesten Umfrage des ZDF-Politbarometers kennt? Es ist eine Zahl, die ihr eigentlich den Angstschweiß auf die Stirn treiben müsste. Denn erstmals seit dreieinhalb Jahren liegt ihre Konkurrentin von der SPD, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, in einer Umfrage vor Klöckner. Und das drei Tage vor der Landtagswahl.

Klöckner steht in der alten Lokhalle in Mainz und die Fernsehrunde mit den Spitzenkandidaten aller relevanten Parteien ist vielleicht ihre letzte Chance, das Blatt noch einmal zu wenden, am Sonntagabend doch noch vor der SPD-Ministerpräsidentin ins Ziel zu gehen. Aussichtslos ist die Sache nicht, nur sehr, sehr unsicher. Am gleichen Tag hatte eine andere Umfrage Klöckner noch einen Prozentpunkt vor Dreyer gesehen. Es ist also noch alles drin.

Für beide Frauen geht es bei dieser Wahl um sehr viel: Dreyer verteidigt die 25-jährige SPD-Herrschaft in Rheinland-Pfalz. Sollte sie nicht Ministerpräsidentin bleiben, will sie nicht länger Politik machen. Für Klöckner wiederum ist es bereits der zweite Anlauf auf die Staatskanzlei. Scheitert sie erneut, wird das nicht nur die künftigen Karrierechancen der Merkel-Stellvertreterin schwächen. Es würde sich auch die Frage stellen, welche Rolle sie in Rheinland-Pfalz noch spielen könnte.


Für den Moment zumindest ist Klöckner im Vorteil. Denn ihre Konkurrentin Dreyer hat abgesagt, schon vor Wochen. Sie werde nicht in eine Elefantenrunde gehen, zu der auch der Spitzenkandidat der AfD eingeladen sei, hatte Dreyer damals angekündigt. Die AfD sei für sie keine normale Partei sondern in Teilen rechtsextrem und rechtspopulistisch.

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Chance für Klöckner

Klöckner hatte damals sofort begriffen, welche Chance das für sie bedeutete. Umgehend sagte auch sie ihre Teilnahme ab, warf Dreyer politische Einflussnahme auf einen öffentlich-rechtlichen Sender vor. Rechtspopulisten dürfe man nicht ausweichen, die müsse man argumentativ stellen, hat sie seither unzählige Male wiederholt. Die SPD knickte ein, jedenfalls ein bisschen. Statt Dreyer schickte sie nun den SPD-Landesvorsitzenden und Innenminister Roger Lewentz in die Sendung. Klöckner nutzt dies gleich zu Beginn der Runde für einen ersten Punkt: "Demokratie verteidigen muss Chefsache sein", sagt sie in Richtung ihrer abwesenden Konkurrentin.

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Zu erklären, warum eine Ministerpräsidentin nicht mit der AfD diskutieren kann, ein Innenminister aber schon, das war dann auch die erste Aufgabe, die Lewentz an diesem Abend gestellt wurde. Es komme ja auch niemand auf die Idee, Angela Merkel zusammen mit Frauke Petry einzuladen, sagte er. Überzeugend war das eher nicht. Schließlich ist von der Kanzlerin nicht bekannt, ob sie ein solches Angebot ausschlagen würde, wenn es denn je käme.

Noch im Herbst war man in der SPD zuversichtlich gewesen, dass die AfD es in Rheinland-Pfalz nicht in den Landtag schaffen würde. Doch im Zuge der Flüchtlingskrise gewann die Partei hier wie anderswo schnell an Zustimmung und liegt nun bei neun bis zehn Prozent.

Schwierige Entzauberung

In der Spitzenrunde zeigt sich dann, dass die Entzauberung der AfD keine einfache Sache ist. Das liegt in diesem Fall auch an deren Spitzenkandidaten Uwe Junge, der mit seinem gezwirbelten Schnurbart eher skurril als gefährlich wirkt. 34 Jahre lang war Junge CDU-Mitglied, bevor er 2009 wegen Merkels Modernisierungskurs austrat. Dass er als Rechtsextremer bezeichnet werde, empört den Mann geradezu. 38 Jahre lang sei er Soldat gewesen und habe dieses Land in Krieg und Frieden verteidigt, sagt er. Also wenn einer auf dem Boden des Grundgesetzes stehe, dann ja wohl er.

Und die Sache mit dem Schusswaffengebrauch an der Grenze, die seine Parteifreundin Frauke Petry da neulich ins Gespräch brachte? War nicht so gemeint, behauptet Junge. Die Äußerungen mancher AfD-Kollegen im Osten nennt er in "Ton und Diktion" grenzwertig. Junge der Biedermann also?

Das nun auch wieder nicht. Wenn Junge auf Wahlkampfveranstaltungen redet, warnt er vor "massenhaft einreisenden Analphabeten" und wirft den "Altparteien" "pflichtvergessenes und gegen unser Volk gerichtetes Treiben vor". Im Fernsehstudio allerdings hört man solche Töne von ihm nicht.