Selten ist eine PR-Kampagne so schnell verpufft. Der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz hat in der Parteizentrale in Berlin-Köpenick ein Plakat präsentiert für den gemeinsamen Stimmenkampf mit der AfD: Die Wähler sollen zu den Landtagswahlen am Sonntag ihre Erststimme der AfD geben, mit der Zweitstimme dann die Nationaldemokraten wählen. "Erststimme AfD, Zweitstimme NPD", heißt es auf dem Pappschild in Blau-Rot-Braun, das Franz und sein Pressesprecher für die Kameras hochhalten. Noch während Franz erläutert, wo er sich was von der Kampagne erhofft, und wo die NPD-Wahlkämpfer das Plakatmotiv einsetzen wollen, kommt vom Berliner Lützowplatz die Absage: "Mit der NPD haben wir keinerlei Schnittmengen", simst der AfD-Parteisprecher auf Nachfrage von ZEIT ONLINE in die Pressekonferenz hinein. "Eine Zusammenarbeit auf welcher Ebene auch immer ist nicht erwünscht." 

Die Bundeszentrale der AfD wurde von dem NPD-Vorstoß kalt erwischt. "Furchtbar", heißt es aus der Parteispitze. "Die sollen sich bloß nicht anbiedern." Man sei über die Kampagne zuvor nicht informiert gewesen. "Ein solches Verhalten bestätigt die unseriöse und verzweifelte Art dieser Partei." Auch die wahlkämpfenden Landesverbände befürchten Imageschäden: "Die NPD ist für uns eine konkurrierende Partei", wehrt der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, die NPD-Initiative auf ZEIT-ONLINE-Nachfrage ab. "Wir haben ähnliche Ziele, aber die Lösungsansätze sind andere." Eine Zusammenarbeit werde es nicht geben. "Ausländer raus gibt es bei uns nicht", sagt Poggenburg.

Die NPD dagegen sieht sich in gerader Linie mit der AfD verwandt: Trotz Unterschieden in Details sollten NPD und AfD ein Gegenmodell zu den anderen Parteien bilden und "an einem Strang ziehen", erläuterte Parteichef Franz. Das Wählerpotenzial sei groß genug für "zwei patriotische Parteien". Möglichen Schaden für die AfD wollte der NPD-Chef nicht erkennen.

AfD - "Ihr werdet uns nicht aufhalten!“ Die AfD legt in Umfragen zu, bei Landtagswahlen könnte sie hervorragende Ergebnisse erzielen. Ein Politikwissenschaftler zu den Gründen

Dabei ist der deutlich sichtbar: Die Reaktionen der AfD kamen deshalb prompt, weil ihre Strategen kurz vor den Wahlen Rückschläge abwenden wollen. Obwohl die AfD in politischen Debatten reichlich Widerstand verspürt, läuft es gut für die Wahlkämpfer in den Ländern. In Hessen schnitt sie bei der Kommunalwahl zweistellig ab. Etwa in Sachsen-Anhalt dürfte die Partei laut Umfragen mit knapp 20 Prozent der Stimmen in den Landtag einziehen. Der Versuch der NPD-Rechtsextremisten, mit den Rechtspopulisten der AfD eine strategische Allianz zu bilden, läuft den Beteuerungen der AfD zuwider, sie duldeten keine völkischen oder nationalistischen Tendenzen in der Partei. 

Die AfD ist wegen des Auftretens von Funktionären wie dem Thüringer Landessprecher Björn Höcke oder seinem Sachsen-Anhalter Kollegen Poggenburg genau diesem Rassismus-Vorwurf ausgesetzt. Denn beide warnen wegen der Flüchtlingskrise vor einer angeblichen Islamisierung der Gesellschaft und steigender Kriminalität – obwohl die Statistik der Polizei das nicht hergibt. Die oberste Parteiführung beharrt dagegen darauf, nur auf die Fehler der Regierung in der Einwanderungspolitik aufmerksam machen zu wollen, weist aber den Vorwurf Rassismus stets zurück.  

Die AfD-Spitze befürchtet nun, wankelmütige Wähler könnten sich abwenden, wenn sich eine Nähe zu den Rassisten von der NPD zeigen sollte. Die NPD macht die deutsche Staatsbürgerschaft von der Abstammung abhängig, sie will die Einwanderung nicht nur regulieren – wie die AfD –, sondern ganz stoppen. Und gegen sie läuft vor dem Bundesverfassungsgericht ein Verbotsverfahren. Zudem wird sie mit einem Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft im brandenburgischen Nauen in Verbindung gebracht.  

Denn Stammwähler hat die junge AfD keine. Sie zieht vor allem Protestwähler auf sich, sie ist besonders beliebt bei Unter-30-Jährigen, wie die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte. Besonders die Linkspartei, in der sich bisher Protestwähler sammelten, verlor bei den vergangenen Wahlen Stimmen an die AfD.

Doch die Beteuerungen, die AfD halte sich von der NPD und ihrem Rassismus fern, stimmen nur bedingt. Erst Ende Februar trat in Sachsen der Stollberger AfD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Karsten Teubner auf einer Demonstration heimattreuer Nationalisten auf, die laut einem Bericht der Freien Presse unter Applaus für eine Zusammenarbeit von AfD und NPD warben. Das deckt sich mit der Linie von Bundeschefin Frauke Petry: sich öffentlich distanzieren, über die Tiraden an den Rednerpulten in der Provinz aber hinwegsehen.    

Die NPD hatte mit einer so prompten Abfuhr der umworbenen AfD offenkundig nicht gerechnet. Mit der ablehnenden SMS-Nachricht aus der AfD-Zentrale konfrontiert, bleibt Parteichef Franz nahezu sprachlos: "Das nehmen wir zur Kenntnis", entgegnete er, sichtlich um Souveränität bemüht. Mehr war ihm dazu nicht zu entlocken. Möglicherweise hat die Kampagne für Franz bereits ihren Zweck längst erfüllt: Aufmerksamkeit zu wecken, unabhängig vom Erfolg.