Diese Milch könnte auch am 17.05. noch genießbar sein. © Inga Kjer/dpa

Die Grünen haben den Vorstoß von Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU), das Haltbarkeitsdatum für Lebensmittel abzuschaffen, als "Augenwischerei" kritisiert. Der Vorschlag gehe am Kern des Problems vorbei, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Der Löwenanteil des Lebensmittelabfalls sind Produkte wie Brot, Obst und Gemüse, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben."

Schmidt hatte den Vorschlag damit erklärt, dass die Lebensmittelhersteller "zu große Sicherheitspuffer eingebaut" hätten. Die meisten Produkte seien erheblich länger verwendbar, als auf den Verpackungen stehe. So würden in großer Menge gute Lebensmittel weggeworfen. "Auf die Verpackungen von Milch oder Schinken soll ein echtes Verfallsdatum gedruckt werden, nach dem diese Produkte tatsächlich nicht mehr genießbar wären", so Schmidt.

Maisch wertete das als PR-Aktion. Sie forderte stattdessen, schädliche Subventionen abzuschaffen, die auf Überproduktion und "Masse statt Klasse" setzten. "Wir brauchen eine stärkere Förderung der regionalen Lebensmittelproduktion und -vermarktung", betonte die Grünen-Expertin, denn kürzere Transportwege und Lagerzeiten sorgten auch für weniger Abfall.

"Intelligente Verpackung" statt aufgedruckten Datums

In Deutschland ist seit mehr als 30 Jahren das Mindesthaltbarkeitsdatum gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt an, bis zu welchem Datum mindestens das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Es ist also kein Verfallsdatum, sondern lediglich die Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften. Für dauerhaft haltbare Mittel wie Zucker und Salz muss schon heute nur noch das Herstellungsdatum auf die Verpackung gedruckt werden.

Die EU-Kommission will die Mitgliedstaaten dazu verpflichten, die Zahl der Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent zu verringern. Schmidt plädierte dafür, das Mindesthaltbarkeitsdatum durch "intelligente Verpackungen" zu ersetzen. In Joghurtbechern etwa könnten künftig elektronische Chips die Qualität des Joghurts ermitteln und dann auf der Verpackung mit einer Farbskala anzeigen, "wie es um die Verzehrbarkeit steht", sagte Schmidt. Dann könne jeder Verbraucher selbst entscheiden, bis zu welchem Grad er das Nahrungsmittel noch verwenden will.

Laut einer 2012 vorgestellten Studie für sein Ministerium landen in Deutschland jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Davon stammen 6,7 Millionen Tonnen von Privathaushalten.