Mainz versinkt im regnerischen Februargrau, Malu Dreyer ist trotzdem bester Laune. Es ist 15 Uhr. Bis jetzt hat sie ihre Aufgaben als Ministerpräsidentin erledigt, nun wird die SPD-Frau zur Wahlkämpferin: Nach unserem Twitter-Interview stehen für diesen Tag noch zwei Termine im Kalender, bei denen sie noch unentschlossene Wähler vor dem 13. März auf ihre Seite ziehen will.

Dreyer hat sich seit ihrem Amtsantritt 2013 in Rheinland-Pfalz viel Respekt erworben. "Nah bei de Leut" zu sein, diese Disziplin beherrscht sie mindestens so gut wie ihr Vorgänger Kurt Beck. Und das zahlt sich aus: Was die Beliebtheit angeht, hat sie ihre Herausforderin von der CDU, Julia Klöckner, deutlich abgehängt (50 Prozent zu 31 Prozent). Trotzdem scheint es derzeit eher unwahrscheinlich, dass Dreyer Ministerpräsidentin bleibt. Denn die SPD als Partei liegt in den Umfragen stets hinter der CDU, auch wenn der Abstand sich in den vergangenen Monaten deutlich verkleinert hat. Wird die SPD nicht stärkste Partei, könnte Dreyer vermutlich nur eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen retten. Klar gemacht hat sie jedenfalls: Sie will nur als Ministerpräsidentin weitermachen.

Eine wichtige Rolle spielt im Wahlkampf das Thema Bildung: Die SPD verteidigt die Gebührenfreiheit, die CDU will das ändern. Das von der CDU geplante Landeselterngeld, das das vor dem Bundesverfassungsgericht gescheiterte Betreuungsgeld ersetzen soll, lehnen wiederum die Sozialdemokraten ab. Dominierendes Thema ist allerdings der Umgang mit der Flüchtlingskrise. Während Klöckner sich hier vorsichtig von Merkels Kurs absetzt, will Dreyer vor allem mit Vorschlägen zur besseren Integration punkten.

Normalerweise sind es Journalisten, welche die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin interviewen – etwa auf Wahlkampfterminen oder im TV-Duell am Dienstagabend. Heute sind die Nutzerinnen und Nutzer von ZEIT ONLINE dran. In den vergangenen Tagen haben uns viele von ihnen auf Twitter unter dem Hashtag #fragmalu Fragen an Malu Dreyer geschickt. Wir haben sie der Ministerpräsidentin gestellt und ihre Antworten in einem Twitter-Videointerview gefilmt:

Hintergründe zu diesem Interview

Wir haben für dieses Twitter-Videointerview verschiedene Spitzenpolitiker angefragt; darunter war auch die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner, die aus zeitlichen Gründen absagen musste. Aus den vielen Tweets mit Fragen – eine Übersicht aller Fragen finden Sie hier – haben wir jene ausgewählt, die neben regionalen Aspekten auch Themen mit bundespolitischer Relevanz angesprochen haben. Wenn Sie Fragen zu diesem Interview haben oder uns Ihre Meinung sagen wollen, diskutieren Sie gerne in den Leserkommentaren mit oder schreiben Sie uns eine Mail.