Der Grünen-Politiker Volker Beck hat seine Ämter niedergelegt. © Uli Deck/dpa

Volker Beck gehört zu den bekanntesten Köpfen der Grünen und sitzt seit den Neunzigern im Bundestag, häufig auch in Talkshows. Nun gibt es Drogenvorwürfe gegen ihn – am Mittwoch trat Beck von seinen Ämtern zurück, was ihm seitens der Medien vor allem Respekt einbringt. Mit dem mutmaßlichen Gesetzesverstoß gehen die Kommentatoren unerbittlich um, heben aber meist auch die Verdienste des Politikers hervor.

Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt: "Scharfsinnig, aber oft auch spitzfindig kämpfte Volker Beck für die gleichgeschlechtliche Ehe, machte sich polemisch über die Schweinefleisch-Schutzpläne der CDU lustig und stand, so ist zumindest einem alten Aufsatz über Pädophilie zu entnehmen, neben bewusstseinserweiternden auch sexuellen Freiheiten unangenehm offen gegenüber. Nun also gab Beck seine Ämter ab. Er machte dies schnell und ohne zu lamentieren, was Respekt verdient. Eine Erklärung mag sein, wenn auch keine Entschuldigung: Beck hat das richtige Maß auch an anderer Stelle nicht gekannt. Er war Hochleistungspolitiker, hat sich aufgerieben, hat übertrieben, war ständig auf Twitter aktiv, oft auf Reisen, streitlustig, stets ansprechbar. Ein politischer Rockstar, mitsamt den Lastern dieses Genres."

Ähnlich urteilt der Tagesspiegel, schreibt aber, dass es weder Schadenfreude noch Nachsicht geben dürfe: "Ja, Beck ist ein Moralist – und er kann kräftig austeilen. Doch ihm das nun spöttisch vorzuhalten verbietet sich ebenso, wie das Aufkommen von Schadenfreude im Fall von Margot Käßmann falsch war. Nachsicht wiederum, aufgrund privater Schicksalsschläge oder seines Einsatzes für viele gute Anliegen, mag eine verständliche Reaktion sein, bietet aber keine solide Grundlage für das Geltendmachen mildernder Umstände. (...) Wenn andere durch plagiierte Doktorarbeiten ihre Ämter verlieren, kann der Konsum harter Drogen nicht wie ein Kavaliersdelikt behandelt werden. Allerdings: Volker Beck viel Kraft zu wünschen für die Zeit, die jetzt vor ihm liegt, ist ein Gebot der Menschlichkeit."

Die Süddeutsche Zeitung hebt vor allem Becks Verdienste hervor: "Eine Menge Häme wird über ihm ausgekippt werden. Er hat sie nicht verdient, (...) seit mehr als 20 Jahren ist er Bundestagsabgeordneter. Er hat sich aufgerieben, wenn es um den Schutz von Minderheiten ging. Dieser politische Hochbetrieb geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei. (...) All das rechtfertigt nicht, Drogen zu nehmen, die aus gutem Grund verboten sind. Deshalb ist es auch richtig, wenn er sein Amt als innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion niederlegt. Nicht richtig wäre es jetzt, den Menschen Volker Beck abzuurteilen."

Der Kölner Stadtanzeiger stellt den politischen Menschen Beck in den Fokus: "Die offenbar illegale Beschaffung eines Rauschmittels ist nicht vereinbar mit dem Amt des innenpolitischen Sprechers im Bundestag, in dem man ausgerechnet an Gesetzen zur Kriminalitätsbekämpfung arbeitet. Beck hat einen großen politischen Fehler begangen. Seine Rolle als parteiübergreifend respektierter Elder Statesman seiner Partei (...) dürfte nun perdu sein."

Die Rhein-Neckar-Zeitung geht hart mit dem Politiker ins Gericht: "Drogen haben im Parlament nichts zu suchen. Nicht nur wegen der Vorbildfunktion von Politikern, sondern auch schlicht, weil sie die Persönlichkeit von Menschen verändern. Beck mag seinen Drogenkonsum mit der starken beruflichen Belastung begründen. Das lässt ihn als Politiker aber noch weniger geeignet erscheinen. Ähnlich wie Friedman bleibt ihm nur die Flucht nach vorne. Doch da er sich bisher nicht einmal eine Entschuldigung abringen konnte, ist fraglich, ob er überhaupt willens ist, sich auf einen Entzug einzulassen."